

vergrößern 900x439Der Krieg unterband das Squashspiel an Dubrovniks Kirchenwänden. Erinnerung verfing sich in Form eines Balls im Kapitel. Slaven Tolj: "Interrupted Games".
Wien - "Old And Bald I Search For A Gallery", steht auf einem Plakat in der Auslage der Galerie Kargl. Urheber des Satzes ist der kroatische Künstler Goran Trbuljak (geb. 1948), der im Jugoslawien der 1970er-Jahren zu den Wegbereitern konzeptueller Kunstpraktiken gehörte. Seit jeher um eine Kritik der Institutionen und ihrer Ein- und Ausschlussmechanismen bemüht, ließ er in einer öffentlichen Umfrage 1972 "einfach" die Passanten auf der Straße entscheiden, ob er ein Künstler ist oder nicht.
Neben wichtigen Vertretern der Avantgarde (u. a. Aleksandar Srnec, Exat 51) waren Trbuljaks institutionskritische Arbeiten drei Jahre später bereits in der Galerija Nova zu sehen, die man in Zagreb 1975 als Teil des Zentrums für Kulturarbeit der Sozialistischen Jugend gegründet hatte. Obwohl die Galerija Nova damit eine staatliche Einrichtung war, konnte sie schon damals auf ein sehr kritisches Ausstellungsprogramm verweisen und zählt bis heute zu den wichtigsten Institutionen der Stadt. 2003 trat in dessen Tradition das für die Galerija berufene kroatische Kuratorinnenkollektiv WHW (What, How & for Whom).
Ana Janevski hat nun rund um die Galerija Nova die Ausstellung In The Future Everyone Will Be Anonymous For Fifteen Minutes kuratiert. Wichtiger Bestandteil der Schau, die im Rahmen des Projekts "curated by" in der Galerie Georg Kargl stattfindet, sind Archivmaterialien wie Einladungen, Flyer oder auch Kataloge, die das avancierte Programm der Institution dokumentieren.
Genauso viel Raum nehmen aber auch Präsentationen von Künstlerinnen und Künstlern ein, die die Galerija teilweise bis heute vertritt: Goran Trbuljak beispielsweise, aber auch Vlado Martek (geb. 1951), der sich - von der Poesie kommend - mit den konstitutiven Elementen der Dichtung befasst. Dazu gehören Buchstaben und Gedichte genauso wie Buntstift-Objekte, Papier und Bleistifte. Unter anderem hält er damit seine geistige Verfassung während der Vorbereitung auf das Schreiben fest.
Vlatka Horvat (geb. 1974) und Slaven Tolj (geb. 1964) sind wiederum Teil einer jüngeren Künstlergeneration, für die die konzeptuell Arbeit dieser Vorläufer (u.a. auch der experimentelle Filmemacher Vladimir Petek) genauso wichtig war, wie die Erfahrung von Krieg und gesellschaftlichem Umbruch: "Forget everything, forge everything" steht etwa in unterschiedlichen Farben auf einer fünfteiligen Bilderserie von Vlatka Horvat. Während sie damit unweigerlich an Trbuljaks kritischen Zynismus erinnert, zeigt Slaven Tolj Fotografien einer Gegenwart, die nach wie vor von der Geschichte eingezwängt wird. (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.6.2011)
Bis 18. 6., Galerie Georg Kargl, Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien
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