Artikel aus profil Nr. 03/2003
Made for Walking

Ausstellung „No walk, no art“ von Hamish Fulton in der Bawag-Foundation
Die Kunstpraxis hat sich ausdifferenziert. Der Kunstbegriff: ein Vogerl. Was wurde da nicht alles vorgeschlagen: ein Schuss in den Oberarm, Zeigefingertätowierung, an Montaigne denken, Feuerwerke abbrennen. Dagegen nimmt sich die Idee, „einen Fuß vor den anderen zu setzen“, schlicht erhaben aus. „No walk, no art“ beschloss der britische Künstler Hamish Fulton in den Sixties – und erklärte das Gehen zur Kunstform.

In der Bawag Founda-tion kann man nun sehen, wie der Zen-Meister des Wanderns einen Sieben- oder Dreiundvierzigtage-trip auf Schlüsselwörter verknappt, wie es ihm gelingt, mit Vinylbuchstaben an der Wand die Atmosphäre der Chihuahua-Steppe in West-Texas heraufzubeschwören. „Clouds, Cactus, Snakes …“ ist auf einem Texttableau zu lesen, das als konkrete Poesie ebenso überzeugt wie als linguistische Concept Art. Etikettierungen liebt Fulton übrigens nicht. Zur Land Art habe man ihn gerechnet, erzählt er, wo er die Landschaft doch nie verändere, nicht einmal Spuren hinterlasse.

Früher hat er fotografiert und in wenigen Bildern das Wesentliche eines walks dokumentiert. Heute sind Wörter sein Repräsentationsmedium fürs Gehen. Die prozessorientierten Projektarbeiter von heute werden in die Ausstellung pilgern.

Bis 2.2.2003. Bawag Foundation, Tuchlauben 7a, 1010 Wien, Info-Tel.: 01/534 53 0

Autor: Brigitte Huck


© profil bzw. profil Online - Wien, 2003. Alle Inhalte dienen der persönlichen Information. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.