Ausstellung „No walk, no art“
von Hamish Fulton in der Bawag-Foundation
Die Kunstpraxis hat sich
ausdifferenziert. Der Kunstbegriff: ein Vogerl. Was wurde da nicht
alles vorgeschlagen: ein Schuss in den Oberarm,
Zeigefingertätowierung, an Montaigne denken, Feuerwerke abbrennen.
Dagegen nimmt sich die Idee, „einen Fuß vor den anderen zu setzen“,
schlicht erhaben aus. „No walk, no art“ beschloss der britische
Künstler Hamish Fulton in den Sixties – und erklärte das Gehen zur
Kunstform.
In der Bawag Founda-tion kann man nun sehen, wie
der Zen-Meister des Wanderns einen Sieben- oder
Dreiundvierzigtage-trip auf Schlüsselwörter verknappt, wie es ihm
gelingt, mit Vinylbuchstaben an der Wand die Atmosphäre der
Chihuahua-Steppe in West-Texas heraufzubeschwören. „Clouds, Cactus,
Snakes …“ ist auf einem Texttableau zu lesen, das als konkrete
Poesie ebenso überzeugt wie als linguistische Concept Art.
Etikettierungen liebt Fulton übrigens nicht. Zur Land Art habe man
ihn gerechnet, erzählt er, wo er die Landschaft doch nie verändere,
nicht einmal Spuren hinterlasse.
Früher hat er fotografiert
und in wenigen Bildern das Wesentliche eines walks dokumentiert.
Heute sind Wörter sein Repräsentationsmedium fürs Gehen. Die
prozessorientierten Projektarbeiter von heute werden in die
Ausstellung pilgern.