| Persona non grata | |
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Von Herwig Höller
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Das Russische Museum in St. Petersburg
widmet dem Begründer des Suprematismus derzeit eine groß angelegte
Personale. Mit mehr als 100 Gemälden und 40 grafischen Arbeiten verfügt
das Russische Museum in St. Petersburg über die weltweit
größte Malewitsch-Sammlung, die vom Künstler in den späten Zwanzigern bzw.
nach seinem Tod von Angehörigen dem Museum übergeben wurde.
Zeit zurückdrehen "Kasimir Malewitsch im Russischen Museum" - so der lapidare Titel der
Petersburger Ausstellung - dokumentiert die schöpferische Entwicklung des
Künstlers in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, beginnend
mit frühen impressionistischen Landschaftsbildern und neoprimitivistischen
Bildern um 1910.
Malewitsch & Neoakademismus Die Frage der Gründe für die Rückkehr des späten Malewitsch zu
realistischen Formen ist dabei - was zeitgenössische Kunst in St.
Petersburg betrifft - keinesfalls bloß eine akademische Frage. Der
Anführer des so genannten Neoakademismus, Timur Novikov, will mit seiner
Bewegung zu klassischen Ästhetiken zurückkehren. Er meint, dass nicht
äußere Gewalt, sondern Malewitschs Erkenntnis, dass die klassische
Avantgarde eine Fehlentwicklung gewesen wäre, Ursache für die Abkehr vom
Gegenstandslosen war und will damit seine künstlerische Bewegung
mitlegitimieren. Andere meinen hingegen, dass sich Malewitsch hauptsächlich aus Angst
vor Repressionen des Stalin-Regimes wieder realistischen Formen zuwandte.
Bekanntlich war Malewitsch seit den späten Zwanzigern von offizieller
Seite zunehmend Kritik ausgesetzt und wurde auch wiederholt verhaftet. Trademark in Moskau Aber nicht nur in Petersburg, auch in Moskau wurde kürzlich an
Malewitsch erinnert. Das Kulturzentrum Dom widmete ihm
anlässlich seines 123. Geburtstages ein Performance-Festival. Drei Tage
lang performten bekannte Vertreter der Kunstszene wie der Poet Lev
Rubinstein, der Jazzmusiker Sergej Letov, die Aktionskünstlerin Lena
Kovylina und Größen des Undergrounds wie Aleksandr Petljura oder German
Vinogradov. Ergänzt wurden die szenischen Aktionen durch Arbeiten, die mehr - z.B.
Valerij und Natalja Tscherkaschins übermalte Zeitungscollagen
"Malewitsch-Metropoliten" - bzw. weniger - Vladik Efimovs/Nina Kotels
"Auferstandene Dinge" - an den Suprematisten erinnerten. Der enorme
Publikumserfolg des Festivals aber demonstrierte vor allem eines:
Malewitsch ist auch als kulturelle Trademark höchst erfolgreich. Kunstforum Wien Das zu Nutze macht sich denn auch das Kunstforum Wien. 180
seiner Bilder werden in der großen Herbstausstellung präsentiert. In dieser umfassenden Retrospektive spannt sich der Bogen vom
spätimpressionistischen Frühwerk über alle Schaffensphasen des Künstlers
bis hin zum figurativen Spätwerk, wobei der Schwerpunkt auf seiner
kubofuturistischen und suprematistischen Werkphase liegt. Die gezeigten
Arbeiten stammen aus zahlreichen russischen Museen, wie eben auch jenem in
St. Petersburg. Darüber hinaus gezeigt wird ein wichtiges Konvolut an
wiederaufgefundenen Bildern, die in Wien erstmals zu sehen sind. | ||||||||||