 Alexander
Dumreicher-Ivanceanu. Foto:
APA
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 Die ehemaligen
Intendanten des Diagonale-Festivals Christine Dollhofer (r.)
und Constantin Wulff. Foto:
APA
Diagonale:
Alter Trägerverein hat an neues Team übergeben
Die Diagonale 2004 wird von 3. bis 7.
März in Graz in den bewährten Festivalkinos und mit dem
eingeführten Festivalzentrum im Palais Thienfeld
stattfinden.
Wien/Graz (APA) -
Diese simple Botschaft, die auf Pressekonferenzen gestern,
Donnerstag, Abend in Graz und heute Vormittag in Wien
verkündet wurde, ist dennoch eine überraschende Entwicklung.
Als Ausrichter fungiert nämlich nicht der kürzlich gegründete
neue Trägerverein, der Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs
als Festival-Leiter bestellte, sondern jenes "Forum
Österreichischer Film", das schon in den vergangenen Jahren
das Festival ausgerichtet hat.
In einer
außerordentlichen Generalversammlung wurden gestern die dazu
erforderlichen Beschlüsse gefasst. Die bisherigen Intendanten
und Geschäftsführer, Christine Dollhofer und Constantin Wulff,
traten zurück und haben ihre Geschäfte einem neuen Team
übergeben: "Wir sehen das als Kontinuität und diese große
Solidargemeinschaft als würdige Nachfolger", erklärte
Wulff.
Bei der Generalversammlung wurden Vertreter
diverser Verbände des österreichischen Filmschaffens als
Mitglieder aufgenommen sowie ein Diagonale-Beirat bestellt, in
den mit den Regisseuren Petrus van der Let und Ulrich Seidl,
der Filmemacherin Ruth Beckermann und der Schauspielerin
Cornelia Köndgen einige Verbände Vertreter entsandt haben, und
der um einen Vertreter des Kurz- und Avantgardefilms und der
Filmproduzenten ergänzt werden soll. Dieser Beirat soll in
etwa zehn Tagen eine zwei- bis fünfköpfige Programm-Kommission
berufen, die für die Filmauswahl des kommenden Festivals
verantwortlich ist. Einen Intendanten wird es nicht
geben.
"Ich bin nicht der Leiter des Festivals",
versicherte auch Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Produzent und
bisher Sprecher der "Gegen-Diagonale", "meine Aufgabe war es,
das, was wir jetzt vorstellen dürfen, in die Wege zu leiten.
Ab heute funktioniert die Diagonale und steht auf soliden
Füßen." Die "juristische etwas verworrene Frage", ob man den
Namen Diagonale für das Festival benützen dürfe, habe man nach
juristischer Beratung von der ideellen Seite her entschieden:
"Dieser Verein hat seit sechs Jahren ein Festival gemacht, das
Diagonale heißt. Unsere Diagonale wird das Festival sein, das
es immer gegeben hat. Es gibt also keinen Grund, am Namen
etwas zu ändern. Und spätestens seit gestern, seit dem Brief
von Wolfgang Ainberger ist klar, dass der Versuch, eine andere
Diagonale zu machen, gescheitert ist.
Für Ruth
Beckermann, die als Vertreterin von "dok.at", der
Interessensgemeinschaft österreichischer
Dokumentarfilmschaffender" im neuen Diagonale-Beirat sitzt,
gibt es für Kunststaatssekretär Franz Morak (V) "nun nur zwei
Möglichkeiten: Er sieht ein, dass er einen Fehler gemacht hat
- oder er muss zurücktreten bzw. vom Bundeskanzler dazu
aufgefordert werden." Sie freue sich, dass die Filmschaffenden
auf die "Provokation" der Diagonale-Neugründung gegen den
Willen der Branche mit "unglaublichem Professionalismus"
reagiert habe: "Wir haben gezeigt, dass wir diskussionsfähig
sind und wir uns einigen, wenn es um ernsthafte Dinge
geht."
Auch die Filmemacher Ulrich Seidl ("Gut, dass
wir nicht nur in Opposition verharren") und Dieter Berner
("Das Fördern von Kultur darf nicht als Gnadenakt angesehen
werden") äußerten sich dahingehend. Seidl bedankte sich beim
Österreich-Kurator der Vuckovic/Fuchs-Diagonale Wolfgang
Ainberger, der gestern in einem Brief seine eigene
Festival-Leitung heftig angegriffen hatte, "für seine
Wahrhaftigkeit und seinen Mut, den er letztendlich bewiesen
hat." Und Dieter Berner: "Was durch die Aussagen von Ainberger
nun rausgekommen ist, gibt uns mehr als Recht."
Die als
Reaktion auf die "Morakonale" (so das Szene-Diktum) ins Leben
gerufene "Gegen-Diagonale", die nun keine Gegenveranstaltung,
sondern die "originale Diagonale" sein will, wird auch beim
Personal auf bewährte Kräfte zurückgreifen können. Fast
geschlossen habe die alte Mitarbeiter-Mannschaft sich bereit
erklärt, unentgeltlich für die Diagonale04 zu arbeiten,
erzählte Andrea Pollach. Der errechnete Wert dieses
ehrenamtlichen Personaleinsatzes belaufe sich auf rund 250.000
Euro.
Nun hoffen die Veranstalter auch, die gesamte vom
Grazer Gemeinderat bewilligte Summe von 200.000 Euro für sich
lukrieren zu können. Etliche Sponsoren hätten sich bereits
gefunden, auch der Tourismusverband Graz hätte Unterstützung
zugesagt. Zusätzlich hat sich ein Unterstützungskomitee
gebildet, das ein Unterstützungs-Konto eingerichtet
hat.
Einreichungen für Filme können ab sofort bis zum
20. Dezember erfolgen, entsprechende Formulare sind unter
diagonale.at zum Download bereit. Das Filmmuseum Wien und das
Filmarchiv Austria haben bereits Einladungen angenommen, für
das Festival Programme zu kuratieren, auch die Filmemacher von
Sixpack sind mit dabei.
2003-11-21
13:03:48
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