Salzburger Nachrichten am 2. September 2005 - Bereich: kultur
Kunst ist wie Benzin

Der Maler Christian Ludwig Attersee feierte seinen 65. Geburtstag und erzählt in seinem Wiener Atelier über seine aktuellen Ausstellungen und Pläne.

Hubertus SeidlWien (SN). Sein Mobiltelefon läutet unaufhörlich. Meistens sind es nur Gratulationen und gute Wünsche, die er entgegennimmt. Er, das ist Christian Ludwig Attersee, soeben 65 Jahre geworden und einer der umtriebigsten Künstler Österreichs. Seinen Elan wird er zumindest für die nächste Zeit noch brauchen, sind doch seit letzter Woche geradezu "Attersee-Festspiele" ausgebrochen: Die Wiener Galerien Hilger und Heike Curtze (ab 14. September) widmen dem Allrounder Geburtstagsausstellungen, und das BA-CA Kunstforum zeigt ab heute, Freitag, die Schau "Attersee, die Liebe - das Haus - der Ring". Die SN nahmen den Geburtstag und den "Ausstellungsreigen" zum Anlass, den Künstler in seinem Wiener Atelier zu besuchen, um mit ihm über sein Jubiläum, seine Kunst, aber auch über Leidenschaften und neue Pläne zu sprechen.

Das Atelier, eine ehemalige Synagoge im dritten Wiener Gemeindebezirk, besticht durch Klarheit. Nichts soll von dem, was hier entsteht, ablenken. Bei all den vielen und unterschiedlichen Feldern, auf denen sich Attersee betätigt - unter andere als Bühnenbildner, Dichter, Seitenblicke-Darling und Hochschulprofessor - , ist es ihm wichtig, hier zur Ruhe zu kommen. Das Malen sei für ihn wie "ein Schöpfungsakt", der viel Konzentration abverlange, erläutert der Künstler.

Musik machen statt joggen gehen Attersee ist auch erfolgreicher Musiker; die hohen Räume beschallt er mit seiner neuen CD "Atterseeblut". Musik spiele in seinem Leben eine große Rolle, sagt der Künstler. So gibt es in jedem seiner drei Ateliers (am Semmering und auf Palma de Mallorca entstehen vor allem kleinere Zeichnungen) eine Jukebox und ein Klavier. "Singen ist für mich eine Abwechslungsmöglichkeit zur bildenden Kunst, andere gehen joggen", meint er. Attersee redet gerne vom "Atterseeuniversum" und hält der leisen Kritik, er sei ein "Meister der verschiedenen Disziplinen" (er gestaltete auch Weinetiketten oder erfand den "Atterseebitter", einen Kräuterschnaps) entgegen, dass man "immer etwas vermitteln" könne. "Ich bin eben eine Kunstmaschine, aber eine schöpferische, mein Benzin ist die Kunst".

Attersees Verdienst sei es, so sagte der deutsche Maler Markus Lüpertz, dass er unverwechselbar sei, ohne einen eigenen Stil geschaffen zu haben. Seine besondere, mit Sprachwitz betitelte Formen- und Bilderwelt kennt man einfach und mag sie auf Anhieb. "Zur Sonne", "Lippenrast" oder "Carmenflut" heißen einige großformatige (und selbst gerahmte) Bilder im BA-CA Kunstforum. Dort werden Arbeiten der letzten Jahre gezeigt. Denn er kümmere sich nicht "um Retrospektiven und Jubiläen", sagt Attersee. "Ich schaue in die Zukunft!"

Dazu gehöre auch der Wunsch, eine eigene Stiftung für seine Bilder zu gründen. Zudem schreibe er an einem Theaterstück.Zu den Ausstellungen: www.ba-ca-kunstforum.at, www.hilger.at, www.kunst-net.at/curtze