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Ethnische Minderheiten in Europa

Auf den Spuren von Zimbern, Zipsern und Schwarzmeerdeutschen.

(VN-bl) Bereits seit einiger Zeit beschäftigen sich der Fotograf Kurt Kaindl und der Publizist Karl-Markus Gauß in Bild und Wort mit der Erforschung nahezu vergessener Volksgruppen in Europa. Ein neuer Fotoband dokumentiert ihre jüngsten Spurensuche in Italien, Schweden, Litauen, der Ukraine sowie der Slowakei.

Auf die historisch ältesten, vermutlich bis an den Beginn des 1. Jahrtausends nach Christus zurückreichenden Wurzeln kann die Minderheit der Zimbern verweisen. Deren Siedlungsgebiet umfasst etwa zwanzig abgelegene Gebirgsd ö rfer in der Gegend von Vicenza und Verona. Während die älteren unter den Nachkommen einst bayrischer Aussiedler schlicht an der Sprache ihrer Vorväter festgehalten haben, haben sich in letzter Zeit auch etliche zimbrische Intellektuelle des nahezu aussichtslosen Kampfes gegen den großen Gleichmacher Fortschritt angenommen.

Familienbande

Unter wesentlich tristeren Bedingungen hingegen leben die Zipser, in der heutigen Mittelslowakei angesiedelte Nachfahren von Einwanderern aus Sachsen, Schlesien und Franken. Die mit der prekären ökonomischen Situation einhergehende Landflucht zerreißt auch hier kontinuierlich gewachsene Familienbande.

Ein besonders dramatisches Schicksal erfährt dabei das Volk der Degesi, ein von der eigenen Volksgruppe der Roma verstoßener Zigeunerstamm, welcher in der Ostslowakei unter im wahrsten Sinn des Wortes unbeschreiblichen Zuständen in veritablen Ghettos haust.

Ein ebenfalls trauriges Dasein führen die Schwarzmeerdeutschen in der heutigen Ukraine, einst von den Zaren ins Land geholte Zuzügler vornehmlich aus dem Rheinland. Nach dem Krieg großteils nach Kasachstan, Kirgisien und Usbekistan deportiert, forderte sie der erste Präsident der unabhängigen Ukraine zur Rückkehr in ihre frühere Heimat auf. Dort standen sie vor dem Trümmern.

Beispiele gelungener Identitätsfindung fern der früheren Heimat fanden Kurt Kaindl und Karl-Markus Gauß hingegen bei den Nachfahren von Memeldeutschen und Tataren in Litauen sowie bei den Assyrern in Südschweden. Auch mit ihrem neuesten Gemeinschaftswerk, bestechend vor allem durch seine in edlem Großformat gehaltenen Schwarz-Weiß-Fotos, gelingt den beiden Buchmachern erneut ein eindringliches Plädoyer zugunsten des in Zeiten besinnungsloser Globalisierung eminent gefährdeten kulturellen Reichtums der ethnischen Minderheiten Europas.

Kurt Kaindl, Karl-Markus Gauß: "Der Rand der Mitte. Reisen ins unbekannte Europa, Edition Fotohof im Otto Müller Verlag, Salzburg, 2006

Sie leben in Armut, machen Europa aber reich. (Foto: Kaindl)




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