Nein – es handelt sich hierbei um kein Exemplar moderner „arte povera“. Wobei der Dialog aus grob und amateurhaft herausgeschnittener schlichter Form und urigem Material durchaus in jene Kunstrichtung weisen könnte. Es handelt sich auch um keines jener esoterischen Deko-Teile, wie sie derzeit haufenweise die Haushalte bevölkern. Dieses Objekt hat vielmehr das Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz zur Linz09-Ausstellung „Best of Austria“ in das Kunstmuseum Lentos geschickt. Es handelt sich dabei um eine Hirschhornharpune aus dem Mesolithikum. Also um so etwas wie ein Urbeispiel guten Designs.
Museumsdirektor Tobias G. Natter: „Bis heute versteht sich unser Museum als Universalmuseum im eigentlichen Sinn, dessen 1857 formulierter Auftrag, das materielle Erbe des Landes zu bewahren und vor Abwanderung zu schützen, weiter wahrgenommen wird.“
Die Harpune aus Hirschgeweih vom Fuße der Rheinbalme trägt Natters Meinung nach „viele Antworten in sich, wenn Fragen gestellt werden: Fragen nach Technologie, Material, Stil und kulturellem Zusammenhang. Dann zeigt sich durch ein simples Werkzeug eine ganze Lebenswelt: technisch und handwerklich gut entwickelte Halbnomaden, der sie umgebende Naturraum, die genutzten Rohstoffe und kulturelle Verbindungen vom Kanton Bern zur oberen Donau bis ins Trient.“ Und die Nachwelt staunt. (gunn)
Best of Austria: bis 10. 5. 2009. Tägl. 10–18, Do 10–21 Uhr; Kontakt: 0732/7070-3600, www.lentos.at