"Test für Natur-Verständnis"

09. Juli 2010, 12:45
  • Artikelbild: Er kam mit Verspätung und sorgte nicht für ungeteilte Begeisterung - aber jetzt ist er da. - Foto: APA/HERBERT RAFFALT

    Er kam mit Verspätung und sorgte nicht für ungeteilte Begeisterung - aber jetzt ist er da.


Ai Weiwei stellt sich den Fragen zu seinem Projekt "Hoher Dachstein"

Graz - "Mit diesem Projekt teste ich unser Verständnis für die Natur", lautete die Antwort des chinesischen Künstlers Ai Weiwei auf eine der 100 Fragen im Rahmen des Projektes "Hoher Dachstein", das am Sonntag auf der Dachsteinseilbahn-Bergstation präsentiert wurde. Am Freitag war das Kernstück des Projekts, ein Fels aus der chinesischen Provinz Sichuan, auf den Gipfel geflogen worden. Davor gab es die Möglichkeit, in Form eines öffentlichen Interviews Fragen an Ai Weiwei zu stellen. Die Antworten - der Künstler war nicht persönlich anwesend - wurden am Sonntag veröffentlicht, das Projekt in der Station am Hunerkogel ist bis 14. August zugänglich.

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Als er von den Widerständen gegen das Projekt gehört habe, begann es ihn noch mehr zu interessieren, so der Künstler. Ein Projekt gewinne immer an Bedeutung, sobald die Leute dagegen seien. Bemerkenswert die Aussage Weiweis auf "Wie sollen die Menschen, die in einem Jahr auf den Dachstein klettern, diesen Stein wahrnehmen?" - "Sie sollten den Felsen vergessen". Der Respekt vor der Natur bzw. das Leben im Einklang mit der Natur sei in der chinesischen Philosophie tief verankert, meinte ein Fragesteller: "Ist dieses Projekt nicht genau das Gegenteil davon?" - "Mit diesem Projekt teste ich unser Verständnis für unsere Natur", so Weiwei.

In China finde das Projekt so gut wie keine Beachtung, so der Künstler in einer der Antworten, "da es den Publikumsmedien fast zur Gänze verboten ist, über meine Arbeit zu berichten. Gerade dieses Projekt hat einen sogenannten 'heiklen Informationshintergrund', was bedeutet, dass alles, was mit dem Erdbeben in Sichuan zu tun hat, sehr heikel sein könnte". Wenn man einen Stein aus Europa z. B. auf den Minya Konka, den höchsten Berg in Sichuan, brächte, so Weiwei in Beantwortung einer entsprechenden Frage, würde er als Individuum oder als Chinese so ein Projekt sehr gerne sehen.

Die Reaktion der Leute auf Kunst entstamme ihrem Wissen über zeitgenössische Kunst: "In China ist die zeitgenössische Kunst aufgrund der politischen Situation noch nicht vollständig entwickelt und daher muss auch die Reaktion anders ausfallen", sagte Weiwei. Kunst arbeite aus sich selbst heraus. Beim Beben in Sichuan habe es sich um ein gewaltiges Erdbeben gehandelt, bei dem an die hunderttausend Menschen ihr Leben verloren. Das Erdbeben beschreibe den dramatischen Zustand, in dem sich diese Nation befinde, wie sie aufgebaut sei und wie die Strukturen funktionieren oder nicht funktionieren.

Er beschäftige sich sehr stark mit der Erforschung eines Modells des gesellschaftlichen Wandels, einer Bürgerbewegung und gleichzeitig mit der Frage, wie Individuen ihre eigenen Gefühle mit Hilfe des Internets antizipieren und ausdrücken könnten. "Wie können Sie eine neue Ausdrucksform kreieren, mit der Sie die Leute erreichen", so eine der Fragen dazu. "Als das Dachstein-Projekt spruchreif wurde, habe ich es für eine großartige Idee gehalten, einen Felsbrocken aufzuheben, der von einer Bergspitze ins Tal gerollt war, und diesen auf eine andere Bergkette umzusiedeln", so Weiwei. Fragen und Antworten im Zuge der Diskussion sollen übrigens auf Twitter veröffentlicht werden. Gefragt, was ihm näher sei, Twitter oder die "aufwendige Steinreise"? - "Dieses hier, der Felsen. Der Stein, der auf dem Dachstein platziert werden soll, ist eines meiner Lieblingsprojekte".

Eine der Fragen lautete, ob der "Steintransport auch eine Kritik am teils absurden globalen Warentransport, z. B. von chinesischem Knoblauch nach Europa" sei oder ob die Reise des Steins als ironisches Statement auf die für China lebenswichtigen Exporte verstanden werden könne? China habe bisher nicht Hochtechnologie exportiert, so die Antwort, sondern eher arbeitsintensive Produkte, und das Land habe noch immer keine Chance bekommen, bessere Produkte zu liefern. "Da die Arbeitskraft noch viel günstiger geworden ist, kann der Export des Felsens vielleicht als eine Strategie, eine neue Strategie angesehen werden", so Weiwei. (APA)

weitersagen:
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09.07.2010 20:12
Das Schöne an dieser Aktion ist ja, dass die Erdbebenopfer, sollten sie davon hören in ihrer Brettlhütte, sich rieeeeeesig freuen werden.

Auch der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umfällt, bekommt so eine völlig neue Bedeutung: ist nicht ausgeschlossen, dass ihn ein "Künstler" hertransportiert und er einen doch auf die Zechen fällt.

Gut gefördert, nix zu schwör und nix zu teuer.

cyber ferkel
09.07.2010 19:00
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Kunst wäre es gewesen wenn der Künstler den Brocken eigenhändig raufgeschleppt hätte.

...wie z.B. die alten Ägypter beim Pyramidenbau.

09.07.2010 17:32
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Hättets mir die €50.000 gegeben, die diese Aktion gekostet hat.

Ich hätt mich dafür auch ganz auf den Gipfel gestellt und einen Haufen hingelegt und ein paar Cocktailschirmchen reingesteckt ...... DAS wäre eine Kunst!

09.07.2010 14:36
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Im Orf-Forum regen sich zahlreiche Poster darüber auf, dass überhaupt Geld für Kunst-Projekte ausgegeben wird ...

Sehr beunruhigend.

cyber ferkel
09.07.2010 19:00
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jaja, alles Nazis.

09.07.2010 15:04
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Nein, sie regen sich nicht auf dass Geld für Kunstprojekte verwendet wird, sondern für solche "Kunstprojekte"...

09.07.2010 13:37
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Naturschutzgebiet

http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeF... eview=True

Von Gesteinsablagerung per Hubschrauber kann ich in dem Gesetz nichts finden...

Krawuzi Kabuzi 
09.07.2010 19:35

Erst kürzlich in Österreich eingereist?
Da funktioniert das nämlichso: es gibt Gesetze und dann kennt man wem...

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