Jüdisches Museum: Die Villen und Geschäftsbauten des Ernst
Epstein
Erinnerung an einen Vergessenen
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Es gehört zur Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert: Ein
Architekt, der sogar Bauleiter des Looshauses war und zudem mit an die
100, teils sehr interessanten Gebäuden das Stadtbild zwischen 1906 und
1938 geprägt hat, ist vergessen worden. Er war Jude, er wählte aus
berechtigter Angst vor den Nationalsozialisten den Freitod, sein Büro
wurde aufgelöst, dessen Inhalt vernichtet: Ernst Epstein. Ihm ist bis 29.
September eine Schau im Jüdischen Museum gewidmet, die wieder einmal
Markus Kristan von der Albertina mit Gestalter August Sarnitz erstellt
hat. Auch das Katalogbuch wurde nach jahrelangen, schwierigen
Recherchen vom Kurator mit Karlheinz Gruber und Sabine Höller-Alber im
Holzhausenverlag herausgegeben. Dazu gibt es eine CD-Rom mit komplettem
Werkverzeichnis, die auch die aufgefundenen Baupläne enthält. Loos
meinte noch, der Dank wäre seinem Mitbaumeister gewiss - doch Epsteins
Bauten zählten jahrzehntelang zu jenen vielen anonymen Beispielen von
Architektur, obwohl er vom Secessionismus über den Klassizismus des Art
déco, den neubarocken, fast österreichisch nationalen (Fischer v. Erlach
und Hildebrandt als Vorbilder) Bürgerhausstil bis zum Experssionismus und
zur Neuen Sachlichkeit eine Stilveränderung durchmachte, die auch für
namhafte Architekten seiner Zeit typisch ist, wenngleich sie meist viel
weniger gemacht haben als ein Baumeister wie Epstein. Seine Mutter war
die Tante von Karl Kraus, sein Direktor an der Gewerbeschule Camillo
Sitte; nach möglichen Reisen durch Europa, strebte Epstein als
assimilierter Jude (er trat 1903 aus der Israelitischen
Religionsgemeinschaft aus und war später mit einer Katholikin verheiratet)
1906 erfolgreich die Erlangung einer Baumeisterkonzession an. Alle
freundschaftlichen Bezüge zu Loos oder Kraus u. a. sind verloren gegangen,
für die späte Zeit taucht als Freund Siegfried Kantor auf, dessen Kinder
er nach dem Tod seiner Gattin im Testament bedachte. Die Autoren
können sich Epstein nur über die genaue kunsthistorische Analyse seiner
zum Teil außergewöhnlich qualitätvollen Bauten nähern - vom Looshaus bis
zu den später Versicherungsbauten ein weiter Weg, an dessen Rändern auch
die noch erhaltenen ästhetischen Details von Geschäftsetage und Portal,
sowie Eingangsbereich und Stiegenhaus einbezogen sind. Ein dankenswertes
Unterfangen, dessen Verdienst hoffentlich sein wird, dass ein Architekt
jüdischer Herkunft, der für Wien so wesentlich war, der Vergessenheit
entrissen ist und bleibt.
Erschienen am: 18.09.2002 |
. |

Jüdisches Museum: Die Villen und Geschäftsbauten des Ernst Epstein
Umfangreiches Herbst- Auktionsprogramm in Wien
Fünf Jahre RadioKulturhaus und ein Blick in die nahe Zukunft
Kunsthalle im MuQua: Ugo Rondinone - "No How On"
Kunsthistorisches Museum im Palais Harrach: Erich Lessing - Vom Festhalten
der Zeit
Brucknerfest Linz von Bundespräsident Thomas Klestil eröffnet; Festrede
von Schriftsteller Said








|
. |