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27.03.2003 - Ausstellung
Jirí Kolár bei Hilger: Buchstaben, Papier, Leim
Spät kommt der Prager Kunst-Internationale Jirí Kolár (1914 bis 2002) in den Wiener Handel.
VON HANS HAIDER


S
chon 1965 in der "Kleinen Galerie", 1986 bei Grita Insam - und heuer vom 27. März bis bis 24. April in vol ler Breite in der Galerie Ernst Hilger: Jirí Kolár, der im letzten Sommer verstorbene Prager Collage-Künstler, fand nur zögerlich auf den Wiener Markt, zu österreichischen Sammlern. Obwohl er als Altösterreicher geboren wurde: 1914 im Schwarzenberg-Städtchen Protowin in Südböhmen.

Rund sechzig Arbeiten bietet Hilger an, fast ausschließlich dreidimensionale Objekte, das älteste aus 1966, das aufwendigste bereits in einer Sammlung: "Objets de la passion", 15 Stab-Stelen mit Symbol-Requisiten aus Jesu Leidensgeschichte: Geißel, Dornenkrone, Kreuz, Hammer, Zange, Lanze, Mantel, Würfel . . .

Schon vor dem Krieg begeisterte sich der gelernte Tischler Kolár für den den Grenzen zwischen Literatur und bildender Kunst hohnlachenden französischen Surrealismus. 1953 kam er erstmals als politischer Dissident in Haft. Im Prager Frühling durfte kurz er aufatmen. Nach 1968 war ihm das Ausstellen in der CSSR verboten, 1973 stoppte sogar die devisenhungrige staatliche Kunstagentur den Verkauf von Kolár-Collagen in den Westen.

Den Weg in die internationale Szene fand Kolár über die Kestner-Gesellschaft Hannover (1969) und Guggenheim (1975). Von einem Paris-Aufenthalt 1980 durfte er nicht mehr heim. 1992 erhielt er wieder einen tschechischen Pass. Der Rebell - Markenzeichen: bedrucktes Papier (Prosa, Musiknoten, Fahrpläne, Logarithmentafeln, Landkarten) auf Holz geleimt - war inzwischen zum Klassiker avanciert. Wie viele, die in jungen Jahren unverwechselbare Galerie-Objekte erfunden haben, plagten auch Kolár die Versuchungen des Kunstgewerbes.

Bei Hilger gibt es "Rollagen", "Chiasmagen", "Muchlagen" (1979 erschien sein Buch über 120 verschiedene Collagier-Techniken!). Wer sich ins Feinstudium der aufgeklebten Papierschnitzel einlässt, wird auf sorgfältige semantische Orchestrierungen stoßen: etwa auf die Worte probabilité (Wahrscheinlichkeit) und Altesse (Hoheit) auf einem Spielzeugpferdchen mit Vogelfedermuster an den Flanken; es heißt "Le cheval qui vole" und kostet 12.000 Euro.

Für 5500 Euro gibt es "Rasierklingengedichte" aus den frühen achtziger Jahren: wie in der Knotenschrift an vertikalen Schnüren aufgefädelter Hygieneschrott unter Glas. Ein sich archaisch gebendes Objekt aus dem Jahr 1982 heißt "Le minotaure a l'attaque" (23.000). Ein kunterbunter "Zauberhut" (1973) kostet 15.000 Euro - drei Mal so viel wie die durch unzählige Zwischenschnitte in die Länge ausgewalzten, in den Achsen gegeneinander verschobenen Fotos und Farbdrucke - die aber Kolárs wichtigste Erfindung bleiben.



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