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chon 1965 in der "Kleinen Galerie", 1986 bei Grita Insam - und
heuer vom 27. März bis bis 24. April in vol ler Breite in der Galerie
Ernst Hilger: Jirí Kolár, der im letzten Sommer verstorbene Prager
Collage-Künstler, fand nur zögerlich auf den Wiener Markt, zu
österreichischen Sammlern. Obwohl er als Altösterreicher geboren wurde:
1914 im Schwarzenberg-Städtchen Protowin in Südböhmen.
Rund sechzig Arbeiten bietet Hilger an, fast
ausschließlich dreidimensionale Objekte, das älteste aus 1966, das
aufwendigste bereits in einer Sammlung: "Objets de la passion", 15
Stab-Stelen mit Symbol-Requisiten aus Jesu Leidensgeschichte: Geißel,
Dornenkrone, Kreuz, Hammer, Zange, Lanze, Mantel,
Würfel . . .
Schon vor dem Krieg begeisterte sich der gelernte
Tischler Kolár für den den Grenzen zwischen Literatur und bildender Kunst
hohnlachenden französischen Surrealismus. 1953 kam er erstmals als
politischer Dissident in Haft. Im Prager Frühling durfte kurz er aufatmen.
Nach 1968 war ihm das Ausstellen in der CSSR verboten, 1973 stoppte sogar
die devisenhungrige staatliche Kunstagentur den Verkauf von Kolár-Collagen
in den Westen.
Den Weg in die internationale Szene fand Kolár über die
Kestner-Gesellschaft Hannover (1969) und Guggenheim (1975). Von einem
Paris-Aufenthalt 1980 durfte er nicht mehr heim. 1992 erhielt er wieder
einen tschechischen Pass. Der Rebell - Markenzeichen: bedrucktes Papier
(Prosa, Musiknoten, Fahrpläne, Logarithmentafeln, Landkarten) auf Holz
geleimt - war inzwischen zum Klassiker avanciert. Wie viele, die in jungen
Jahren unverwechselbare Galerie-Objekte erfunden haben, plagten auch Kolár
die Versuchungen des Kunstgewerbes.
Bei Hilger gibt es "Rollagen", "Chiasmagen", "Muchlagen"
(1979 erschien sein Buch über 120 verschiedene Collagier-Techniken!). Wer
sich ins Feinstudium der aufgeklebten Papierschnitzel einlässt, wird auf
sorgfältige semantische Orchestrierungen stoßen: etwa auf die Worte
probabilité (Wahrscheinlichkeit) und Altesse (Hoheit) auf einem
Spielzeugpferdchen mit Vogelfedermuster an den Flanken; es heißt "Le
cheval qui vole" und kostet 12.000 Euro.
Für 5500 Euro gibt es "Rasierklingengedichte" aus den
frühen achtziger Jahren: wie in der Knotenschrift an vertikalen Schnüren
aufgefädelter Hygieneschrott unter Glas. Ein sich archaisch gebendes
Objekt aus dem Jahr 1982 heißt "Le minotaure a l'attaque" (23.000). Ein
kunterbunter "Zauberhut" (1973) kostet 15.000 Euro - drei Mal so viel wie
die durch unzählige Zwischenschnitte in die Länge ausgewalzten, in den
Achsen gegeneinander verschobenen Fotos und Farbdrucke - die aber Kolárs
wichtigste Erfindung bleiben.
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