VN Do, 27.9.2001

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Kultur 

Wertvolle Orte des Rückzugs

Arbeiten der Vorarlberger Künstlerin Miriam Prantl in der Galerie c.art in Dornbirn

Dornbirn (VN-ag) Das Unsichtbare im Ineinanderfließen von Raum und Bild sichtbar machen ist das künstlerische Anliegen von Miriam Prantl. "Networks" nennt sich ihr jüngster Werkzyklus und die aktuelle Ausstellung in der Dornbirner Galerie c.art, die mit Bildern, Lichtobjekten und 3D-Installationen ein ganzes Raumkonzept auf verschiedenen Ebenen beinhaltet.

Das Abbilden von Raum und das Erzeugen von Illusion sind ureigenste Anliegen der Malerei. Nicht um realen Raum, vielmehr um den Übertritt in virtuelle Räume dreht sich das Werk der 1965 geborenen, in Dornbirn lebenden Miriam Prantl. In ihren vielschichtigen Arbeiten verbinden sich Sehstrategien, Wahrnehmungsverschiebungen und ein visuelles Manövrieren in eine zeitlose Gegenwart zu einer Bildvorstellung, die untrennbar mit dem Raum verknüpft ist. Wie ein ordnendes Koordinatensystem legen sich Gitterkonstruktionen aus Klebebändern über die in Acryl gemalten Horizontal- und Vertikalstreifen der Leinwände, umfangen von zart-nuancierten Schattenstreifen. Zwischentöne und eine leise abgemischte Farbpalette mit Pink, Türkis, einem hellen Pastellblau oder einem leichten Gelb sind mit der Rückkehr zur Leinwandmalerei an die Stelle der Primärfarben getreten, die Miriam Prantl bis vor kurzem noch bevorzugt verwendet hat. Was wie ein Hilfsraster erscheint, bietet dem Auge nur bedingt Halt. Vielmehr scheinen sich die Netze in den weichen Farben aufzulösen, die Konstruktion lässt den Blick abgleiten, führt tiefer und tiefer in die Unendlichkeit des Bildraumes hinein. Was in die Tiefe funktioniert, lässt sich auch horizontal und vertikal weiterspinnen, wie eine direkt auf die Wand gemalte Arbeit vermittelt. Was irgendwo anfängt, endet im Nichts des Raumes und kann im Auge beliebig fortgesetzt werden. Noch zwingender lässt sich dies in der begehbaren Installation aus durch den Raum gespannten farbigen Wollfäden und Garnen nachvollziehen, die horizontal und vertikal gestaffelt, das vorgestellte Ineinander von Raum und Bild zusätzlich um die Figur des Betrachters erweitert.

Raum als Konstruktion

Miriam Prantl: "Das Bild/das Relief/die Konstruktion greift in den Raum hinein und der Raum greift in die Konstruktion hinein. Ein Verschieben des Wahrnehmungsfeldes ist jetzt möglich. Die Konstruktion wird Raum, der Raum wird zur Konstruktion." Wenn Raum- und Bildgrenzen verschmelzen, Innen und Außen keine Kategorien mehr sind, dann ist für die Künstlerin jener Punkt erreicht, an dem eine veränderte, sensibilisierte Wahrnehmung und Bewegung im Raum stattfinden kann. Denn darum geht es in ihren Werken. Das nüchtern geometrisch-konstruktive Gerüst kann letztendlich nicht mehr als ein - in seiner Schlichtheit zugegebenermaßen sehr ästhetisch wirkendes - Hilfsmittel sein. Was sich aber dahinter auftut sind emotionale, innere Räume. Sie bieten sich jenseits der Ratio als wertvolle Orte des Rückzugs an. Miriam Prantl eröffnet mit ihren "Networks" eine Möglichkeit des Zugangs zu diesen Räumen, doch erobern muss sie sich letzlich jeder für sich.

Installation von Miriam Prantl.




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