Die Zeiten, in denen "Casa d'Austria" für familienmachtpolitische Vielvölkerstaatlichkeit stand, sind lange vorbei. Die Habsburger sind verjagt, und Österreich ist, glaubt man den rechts Rechthabenden, kein Einwanderungsland mehr. Heute ist der Begriff besser als Titel für esoterische Körper-Geist-Ganzheitskomplexe geeignet.
Dass diese nicht immer ums Enzian- und Edelweißgemüse kreisen müssen, zeigen
Veronika Winklers Anleitungen zum Gebrauch des Holunderbaums. Zusammen
mit Peter Sandbichlers Lampenhockern und Lois Weinbergers
nomadengerecht ausgelegten Grundrissen sind sie auf (von Werner Reiterer
mit rosa Klebefolie überzogenen) Wohneinheiten verteilt. Die wenig Vertrauen
erweckende Mobilitätsgarantie steuert Hans Schabus mit seiner
R4-Seifenkiste bei: postiert zwischen Heuballen, auf denen schon Raben lauern.
(trag/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2002)
Galerie Eugen Lendl, Palais
Wildenstein, Hans-Sachs-G. 1/I, 8010 Graz, (0316) 82 55 14; bis 31. 8.
In stiller Nachahmung
Eskapistisch verschlägt es
Nicole van den Plas aus der modernen
Welt in jene der Kunstgeschichte. In meditativer Aquarellierung verschwimmend,
die Augen stets glasig, wie bekümmert ob der ihrer Namen längst beraubten
Zeitläufe, blicken die altflämischen Vorbilder aus ihren Porträts. In
ausgelaugten Farben verwaschen sind die einst minutiös geschilderten
Weltlandschaften, die sie bewohnten.
In der Lichtregie ihrer zeichnerischen Reproduktion kann eine Rubens-Vorlage
leicht für eine Rembrandt-Radierung gehalten werden, und inmitten zart
hingehauchter Landschaftsskizzen stehen Bäume, so knorrig wie bei van Gogh. In
allen Fällen dient das Kleinstformat zur Markierung der historischen Distanz,
lässt die Bilder zu Aufnahmen aus der Ferne geraten. (trag/DER STANDARD,
Printausgabe, 12.8.2002)
Galerie Eugen Lendl, Gleisdorferg. 4/II, Graz,
(0316) 81 65 76; bis 14. 9.