| Zwiespältige Bilanz | |
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Die Documenta-Besucher zeigten sich überwiegend zufrieden, die Kritiker weniger. |
Gerne wird Kassel zu Zeiten der Documenta
als Welthauptstadt der bildenden Kunst bezeichnet. Dabei war es gerade der
aktuelle Kurator Okwui Enwezor, der mit seinem Programm darauf hingewiesen
hat, wie ethnozentristisch die Documenta bisher agiert hat. Nach 100 Tagen ging nun am Sonntag die Documenta11 in Kassel mit einem
Besucherrekord von 650.000 Gästen zu Ende. Auf der vorangegangenen
documenta X vor fünf Jahren waren 631.000 Besucher gezählt worden. Trotz
des Rekordansturms stieß die Ausstellung bei den Kritikern auf ein
geteiltes Echo. Auf der mit gesellschaftskritischem Anspruch konzipierten
Documenta sei die Kunst in den Hintergrund getreten. Außerdem habe die
politisch allzu korrekte Schau zu wenig Biss gehabt, wurde bemängelt. Hinterm Tellerrand Die Documenta hatte ihren Blick erstmals über den Westen hinaus
verstärkt auf die Kunst anderer Erdteile gerichtet. Thema waren unter
anderem die Folgen des Kolonialismus in Dritt-Welt-Ländern, aus denen
deutlich mehr Künstler als sonst vertreten waren. Mit dem aus Nigeria stammenden Amerikaner Okwui Enwezor hatte die
Kunstschau erstmals einen nicht-europäischen Kurator erhalten, der es sich
zum Ziel gesetzt hatte, die Documenta von ihrem überwiegend westlichen
Blick zu befreien. Dafür, dass ihm das auch gelang, erntete Enwezor Lob.
Mit dem Anprangern von Missständen in der Welt lenkte er auch das
Interesse von Organisationen wie Misereor und amnesty international auf
die Kunstschau. Enwezor nimmt's persönlich Ein Ziel der Documenta sei es gewesen, gegen einen einseitigen Blick
auf die Geschichte vorzugehen, sagte Enwezor am Sonntag. Einem Teil der
Kunstkritiker warf er vor, von einer einheitlichen Geschichtsschreibung
auszugehen, bei der bestimmte Teile der Vergangenheit ausgeblendet würden.
70 Prozent der Welt bestünden aus Menschen, die in der öffentlichen
Wahrnehmung nicht existierten. Auch kritisierte Enwezor die
Charakterisierung seiner Person als "Nicht-Europäer". "Ich bin kein
Nicht-Afrikaner und kein nicht-weißer Mensch", sagte er. Dominant vertreten waren in Kassel Fotografie, Film und Videokunst, mit
denen der Zustand in von der Documenta bisher vernachlässigten Ländern der
Welt dokumentiert wurde. Die klassischeren Genres Malerei und Zeichnung
traten in den Hintergrund. Insgesamt waren 450 Kunstwerke von 118
Künstlern aller Kontinente zu sehen. Erstmals waren zur Vorbereitung der
Kasseler Ausstellung vier Diskussions-Plattformen mit Wissenschaftern und
Künstlern in verschiedenen Regionen der Welt organisiert worden. Nur für Clubmitglieder Bemängelt wurde von Kunstexperten, dass sich die kritische Schau
überwiegend einer geschlossenen Gesellschaft präsentierte. Da es - anders
als bei früheren Ausstellungen - wenig Kunstwerke im Außenbereich gab,
entfaltete die Schau ihre Botschaft hauptsächlich für Besucher mit
Eintrittskarte. Trotz ihres kritischen Anspruchs ging diese Documenta so reibungslos
wie selten über die Bühne. Skandale, aber auch künstlerisch markante
Höhepunkte blieben aus. Da fast die Hälfte der Ausstellung in das Gebäude
einer ehemaligen Brauerei verlagert wurde, entzerrten sich die
Besucherströme, und der Massenandrang vor dem Museum Fridericianum blieb
meist aus. Die Besucher bewerteten die Ausstellung einer Studie der Universität
Kassel zufolge positiv. Über zwei Drittel der Befragten gaben der
Documenta11 die Note "gut" oder "sehr gut". Mehr als 28 Prozent der
Besucher kamen aus dem Ausland. Link: Documenta11 | ||