5. April 2005

Schweizer Hirschhorn hält Vortrag zu 'Kunst im öffentlichen Raum'

Obwohl er den österreichischen Raum sonst konsequent meidet.

Artikeltext: "Kunst ist ein Werkzeug, um die Zeit, in der ich lebe, zu erfahren", sagt der Schweizer Thomas Hirschhorn (48).

Dass der seit 1984 in Paris lebende Künstler seine Erfahrungen zu einem guten Teil im öffentlichen Raum macht, zeigte er unter anderem mit dem "Bataille Monument", das 2002 anlässlich der Documenta 11 in der Friedrich-Wöhler-Siedlung in Kassel realisiert wurde.

Gemeinsam mit Anwohnern konstruierte er aus Holz, Karton und Klebeband gezimmerte Baracken, installierte einen Imbiss und ein TV-Studio. Und stellte eine Parallele zwischen "armem" Material und der ebenso "armen" sozialen Realität eines von überwiegend von Ausländern bewohnten Viertels her.

"Kunst ist ein Werkzeug, um mich mit der Realität zu konfrontieren", setzte der Künstler sein damaliges Statement fort. Und machte auf eine Welt aufmerksam, die auch aus der "Festung Europa" und den xenophoben Tendenzen des europäischen Arbeitsmarktes besteht.

Hirschhorns Arbeiten betonten zwar schon des öfteren ein politisch-soziales Engagement, er selbst unterstrich aber ebenso deutlich, dass seine Werke nicht politisch seien. Ebensolche Statments scheut er dennoch nicht. Etwa durch seine Weigerung, seit dem Regierungswechsel im Jahr 2000 in Österreich auszustellen. Auch die Schweiz bekommt seinen Boykott seit 2003 zu spüren: Seit der Rechtspopulist Christoph Blocher der Regierung angehört, will Hirschhorn seine Werke auch dort nicht mehr gezeigt wissen.

Kunstraum-Leiter Stefan Bidner hätte den Österreich-Verweigerer gerade wegen seiner Beschäftigung mit Geschichte, Krieg, Terror und Globalisierung gern in die Reihe "Der soziographische Blick" aufgenommen. Und konnte ihn bei einem Besuch der Schau "Swiss Swiss Democracy" in Paris zumindest für einen Vortrag über "Kunst im öffentlichen Raum" (heute, 19.30 Uhr) gewinnen. Hirschhorns Projekte der letzten drei Jahre sind derzeit in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen. <
Autor: Ivona Jelcic
Quelle: NEUE
 
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