Schweizer Hirschhorn hält Vortrag zu 'Kunst im
öffentlichen Raum'
Obwohl er den österreichischen Raum sonst
konsequent meidet.
Artikeltext: "Kunst ist ein Werkzeug, um die
Zeit, in der ich lebe, zu erfahren", sagt der
Schweizer Thomas Hirschhorn (48).
Dass der
seit 1984 in Paris lebende Künstler seine
Erfahrungen zu einem guten Teil im öffentlichen
Raum macht, zeigte er unter anderem mit dem
"Bataille Monument", das 2002 anlässlich der
Documenta 11 in der Friedrich-Wöhler-Siedlung in
Kassel realisiert wurde.
Gemeinsam mit
Anwohnern konstruierte er aus Holz, Karton und
Klebeband gezimmerte Baracken, installierte einen
Imbiss und ein TV-Studio. Und stellte eine
Parallele zwischen "armem" Material und der ebenso
"armen" sozialen Realität eines von überwiegend
von Ausländern bewohnten Viertels her.
"Kunst ist ein Werkzeug, um mich mit der
Realität zu konfrontieren", setzte der Künstler
sein damaliges Statement fort. Und machte auf eine
Welt aufmerksam, die auch aus der "Festung Europa"
und den xenophoben Tendenzen des europäischen
Arbeitsmarktes besteht.
Hirschhorns
Arbeiten betonten zwar schon des öfteren ein
politisch-soziales Engagement, er selbst
unterstrich aber ebenso deutlich, dass seine Werke
nicht politisch seien. Ebensolche Statments scheut
er dennoch nicht. Etwa durch seine Weigerung, seit
dem Regierungswechsel im Jahr 2000 in Österreich
auszustellen. Auch die Schweiz bekommt seinen
Boykott seit 2003 zu spüren: Seit der
Rechtspopulist Christoph Blocher der Regierung
angehört, will Hirschhorn seine Werke auch dort
nicht mehr gezeigt wissen.
Kunstraum-Leiter Stefan Bidner hätte den
Österreich-Verweigerer gerade wegen seiner
Beschäftigung mit Geschichte, Krieg, Terror und
Globalisierung gern in die Reihe "Der
soziographische Blick" aufgenommen. Und konnte ihn
bei einem Besuch der Schau "Swiss Swiss Democracy"
in Paris zumindest für einen Vortrag über "Kunst
im öffentlichen Raum" (heute, 19.30 Uhr) gewinnen.
Hirschhorns Projekte der letzten drei Jahre sind
derzeit in der Pinakothek der Moderne in München
zu sehen. < Autor: Ivona
Jelcic Quelle:
NEUE