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Galerien in Wien: Richard Nixon und der Schneemann

03.12.2008 | 18:28 | MANISHA JOTHADY (Die Presse)

Humorvoll, aber schwer durchschaubar: Rachel Harrison bei Meyer Kainer.

Irritation ist wohl das vordergründigste Gefühl, das einen bei der Betrachtung von Rachel Harrisons Arbeiten überkommen mag. Die New Yorkerin, Jahrgang 1966, präsentiert mit ihren Objekten und Bildern ein provozierend instabiles Bild der Welt, das aus lauter willkürlich kombinierten Splittern zu bestehen scheint.

Denn was, bitte, verbindet das Foto von Richard Nixon beim Bowling mit einem farbverklumpten kleinen Schneemann? Worin besteht der Zusammenhang zwischen Farbtöpfen, Champagnerkorken und einem Video, das einen Vogelbrutkasten zeigt? Und welchen Sinn ergibt es, ein Grillhendl aus Gummi auf einem bemaltem Holzpodest zu platzieren?

Harrisons Arbeiten sind so absurd wie Buster Keatons Film „One Week“, vermeintlich vom Zufall bestimmt und von umwerfender Komik, hieß es jedenfalls einmal in einem Fachmagazin. Künstlerische Referenzen, vom Surrealismus bis hin zum abstrakten Expressionismus und Minimalismus werden ihrem Schaffen nachgesagt, aber auch die Affinität zu popkulturellem Kitsch, zum Readymade und zur Politik.

Mit einer Revidierung des klassischen Skulpturbegriffs haben Harrisons Arbeiten in jedem Fall zu tun. Knallbunt bemalte organisch-amorphe Gebilde, Alltagsobjekte, Fotos, Magazinseiten, Werbematerial oder Videofilme verschränkt sie oft innerhalb eines einzigen installativen Gerüsts beziehungsweise platziert sie auf Elementen, die deutlich sockelartig sind – jenem Nobilitierungsinstrument in der Kunst schlechthin.


Gegen das Monumentale

Die Arbeiten bejahen somit die Grundidee von der Skulptur als autonomem Objekt im Raum. Gleichzeitig sagen sie sich aber von der Tradition der modernen Skulptur los, indem sie das Credo von Reduktion, Konzentration und Abstraktion negieren. In Harrisons Arbeiten verharren sämtliche disparaten Bestandteile gleichberechtigt nebeneinander, ohne sich in eine hierarchische Komposition zu fügen. Die Fokussierung auf etwas Wesentliches, eine wie auch immer geartete Essenz fehlt ihnen völlig.

In diesen Skulpturen geht es nicht länger um Monumentalität, Idealisierung und Verherrlichung. Es gibt nicht eine Sache, sondern zig Dinge, die bedeutend sind. Das können künstliche Toastscheiben ebenso sein wie eine Duschhaube, die an einem Draht von einem Acrylbild herabhängt, oder Internet-Bilder von Elchen auf einer bemalten Holzplatte.

Harrisons Werk oszilliert zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Readymade und autonomer Formfindung. Unvergleichlich humorvoll, das bestätigt sich auch in ihrer Ausstellung in Wien, zeigt sie die vielfältigen Möglichkeiten der Wahrnehmung von Kunst auf. Sie tut dies mit Arbeiten, die sich zweifellos gegen das zwanghafte Bedürfnis des Betrachters sperren, Eindeutigkeit herzustellen. Denn sobald wir versuchen, all die unvereinbaren Fiktionen, die in Harrisons Arrangements aufeinanderprallen, zu fixieren, brechen sie sofort zusammen. (bis 13.1., Eschenbachg. 9, Wien 1).


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