Ausstellung: Höhenrausch.2
Seifenblasen und Nebelschwaden hoch über Linz
Linz.
(ju) Ein buntes Riesenrad drehte 2009 noch auf einem Dach seine Runden.
Das Bild der grünen Gondeln vor der Kulisse der Stadt wurde zum Symbol
für die Kulturhauptstadt. Graz hatte seine Murinsel, in Linz vermissten
viele ein Wahrzeichen und bekamen das Riesenrad – wenn auch nur
temporär. Zwei Jahre später ist man wieder auf dem Boden der Tatsachen
angekommen – dieser befindet sich allerdings nach wie vor über den
Dächern der Stadt. Der "Höhenrausch" war eines der erfolgreichsten
Projekte von Linz09, 270.000 Menschen spazierten im Kulturhauptstadtjahr
über die hoch gelegenen Holzstege. Ab Donnerstag geht man wieder über
die "Brücken im Himmel", wie der Höhenrausch.2 im Untertitel heißt. Der
Holzstegparcours wurde erweitert, 46 Kunstprojekte widmen sich diesmal
den Elementen Luft und Wasser. Wo sich noch 2009 das Riesenrad drehte,
hört man heute lautes Kreischen zwischen Wasserfontänen. Die Stimmen
kommen aus Jeppe Heins "Hexagonal Water Pavillon", in dem sich plötzlich
Wasserwände erheben und aus Düsen emporschießen. Das Projekt wird – wie
zwei Jahre zuvor das Riesenrad – in den Sommermonaten auch wenig
Kunstaffine zur Abkühlung auf das Dach locken.
Projekte von 51 Künstler aus 17 Nationen sind unter freiem Himmel
oder im Offenen Kulturhaus (OK) zu sehen. Sphärische, fantasievolle
Arbeiten wie "Dive 2", bei dem der Schweizer Stefan Banz den
Parkettboden eines Saals flutete, durch große Rundbogenfenster glitzert
jede Welle. Betreten und Berühren ist wie bei fast allen Projekten
erlaubt.
Wasserfälle, innen und außen
Oder Pipilotti Rists "Nothing", das schon bei der Biennale in Venedig
zu sehen war: Hier produziert eine Maschine schillernde Seifenblasen,
die zu weißem Rauch verpuffen. Weißen Nebel produziert auch die Tokioter
Künstlerin Fujiko Nakaya: Sie versprüht in ihrer Installation "Cloud
Parking in Linz" feinste Wassertropfen aus 600 Düsen und erzeugt so ein
angenehm kühles Naturphänomen auf dem Dach des Parkhauses. Auch die
Projekte im Inneren des OK widmen sich dem Thema Wasser: Die Künstlerin
Rúrí hat 52 gefährdete Wasserfälle fotografiert und archiviert, zum Bild
ertönt das dazugehörige Geräusch. Im blauen Kabinett beschäftigen sich
Filme und Fotografien mit den Themen Wasser und Fliegen. Wieder auf dem
Dach führt der weitverzweigte Holzsteg an Fundstücken einer Lagune in
Venedig, die die Schweizerin Ursula Stalder anordnete, über den
stürmischen Glockenturm mit Windmaschine zum Dachboden des
Ursulinenhofs, wo Pepi Maier vereiste Kupferspiralen aufbaute. Über der
Kuppel der Ursulinenkirche bewegen sich geräuschvoll die Neonröhren der
brasilianischen Künstler Gisela Motta und Leandro Lima. Steile Stufen
führen wieder nach unten, die Reise endet in der Stille der Kirche. Hier
wird am heutigen Donnerstag auch der Höhenrausch mit Händels
"Feuerwerksmusik" eröffnet, um 21 Uhr fließt ein Wasserfall von der
Nibelungenbrücke. Und nach derzeitigen Wetterprognosen möglicherweise
noch ein wenig mehr Wasser – von ganz oben.
Ausstellung
Höhenrausch.2
12. 5. bis 16. 10.
Offenes Kulturhaus, http://www.ok-centrum.at
Printausgabe vom Donnerstag, 12. Mai 2011
Online seit: Mittwoch, 11. Mai 2011 19:03:00