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19.09.2002 - Ausstellung
Babuschka, "Nude" und die Helden der Sowjetunion
Das Historische Museum in Wien zeigt den Weg der sowjetischen Photographie von der Moderne zum sozialistischen Realismus, Kunst und Ideologie in einer bescheidenen, aber eindrücklichen Ausstellung.


Leni Riefenstahl würde das sicher gefallen. Was sowjetische Photographen in den zwanziger und dreißiger Jahren auf Papier bannten, unterscheidet sich wenig von der "Ästhetik" des Nationalsozialismus. Künstler, die zuvor mit der noch jungen Photographie die Malerei nachgeahmt hatten, stellten die neue Technik in den Dienst der Ideologie, des Kommunismus, der Diktatur Stalins. Über politische Parallelen zwischen Ost und West läßt sich trefflich streiten.

Interessanter ist, wie der Realismus bewirkte, daß die Photographie aufhörte, Garnitur der bildenden Kunst zu sein, sich emanzipierte, die Malerei überflügelte. "Sowjetische Photographie der 1920er/1930er-Jahre. Von Piktorialismus und Modernismus zum Sozialistischen Realismus" heißt die Ausstellung im Wiener Historischen Museum, die diese Entwicklung illustriert.

Es ist die Austausch-Schau zu "Blickfänge aus Wien 1860-1910" aus den Sammlungen des Historischen Museums, zu sehen 2001 zur Eröffnung der neuen Räume des Moskauer Hauses der Photographie.

Konstruktivismus und moderne Photographie, Photoreportage, Dokumentarismus sind eng miteinander verbunden. Künstler wie Alexander Rodtschenko oder El Lissitzky malten und photographierten - und beeinflußten die jüngeren. Alexander Grinberg (1885-1979) war einer der anerkanntesten Photographen im Zarenreich wie in der Sowjetunion. Voll unschuldiger Schönheit ist seine "Frau mit Stern" (1923), nackte Frauen spielen mit Sonnenschirm und Ball, nehmen Posen ein wie vom Bildhauer gemeißelt. Dazu gibt es Aufnahmen sportlicher Bewegungsstudien. Die meisten der Photographen in der Schau waren politisch verfolgt, auch Grinberg wegen "Dekadenz". Max Penson (1893-1959) floh vor antisemitischen Pogromen aus Weißrußland nach Usbekistan. Sein "Sitzungszimmer des zentralen Exekutivkomitees von Usbekistan" (1935) zeigt, wohl ungewollt, die ermüdete Revolution. Die meisten Aufnahmen handeln vom Aufstieg der Arbeiterschaft, Aufbruch, von Großbauten, dem Kampf mit der Natur und ihrer Unterwerfung, Jugend, Schönheit, Sport. Dämonisch, provokant blickt der Dichter Majakowski in Alexander Rodtschenkos Kamera. Ganz traditionell dagegen: Babuschka, die Mutter des Konstruktivisten mit Kopftuch.

So erhellt die Ausstellung mit Photos u. a. von Boris Ignatowitsch, Georgi Petrussow, Alexander Chlebnikow, Wassili Ulitin die Bewegungen von Kunst und Politik, den Zusammenprall des alten mit dem (vergebens) erhofften, neuen Leben. bp

Bis 20. Oktober. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr, Eintritt für Erwachsene 3,60, Familien: 5,40 Euro. Katalog: 30 Euro.



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