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Eine Ausstellung und ein Buch erzählen Vom Erröten

Autor Karl-Markus Gauß und Maler Hermann Kremsmayer arbeiteten für ein ungewöhnliches Projekt zusammen - Ausstellung im Salzburger Georg Traklhaus

Wien/Salzburg (APA) - Der Umschlag ist in Zartrosa gehalten, die Lithografie am Cover in knalligem Rot, die Titelbuchstaben changieren von Blass- über Orange- bis Dunkelrot. Schließlich heißt das Buch "Vom Erröten". Die kleine Waldviertler Edition Thurnhof hat auf 34 Seiten eine ungewöhnliche Zusammenarbeit dokumentiert: Der bekannte Autor und Essayist Karl-Markus Gauß hat den Text, der in Wien lebende Maler Hermann Kremsmayer die künstlerische Gestaltung beigesteuert. Der Band ist Gegenstand einer Ausstellung im Salzburger Georg Traklhaus, die am 11. März mit der Buchpräsentation eröffnet wird.

"Das Erröten ist eine physiologische Reaktion, die merkwürdig genug ist und immer noch medizinische wie psychologische Rätsel aufgibt", schreibt Gauß. "In allen seinen Erscheinungsformen ist das Erröten ein Akt, der verstärkte Herztätigkeit, also gesteigertes Leben sichtbar macht. Das physiologische Gegenstück des Errötens ist das Erbleichen. (...) Der Schreck entzieht uns das Blut, die Peinlichkeit gibt es in reichlicher Menge zurück; der Schreck konfrontiert uns mit dem Tod, die Peinlichkeit mit der Gesellschaft."

"Vom Erröten" und "Die Abschaffung der Peinlichkeit" sind zwei Vorträge, die Gauß gehalten hat und die nun erstmals in Druck erscheinen. Hermann Kremsmayer, der seine letzte große Ausstellung "Empfindungen" nannte, hat der Vorgang der unwillkürlichen Sichtbarwerdung der Peinlichkeit besonders interessiert. Die Schamröte, die Peinliches doppelt peinlich werden lässt, stellt er in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Druckfolien hat er bearbeitet, die Texte ergänzt er so mit Be- und Übermalungen in allen Rottönen, in Gelb und Violett, und hat auch sorgsam scheinbare "Peinlichkeiten" wie Fingerabdrücke, Farbflecken und handgeschriebene Notizen eingebaut.

Das so entstandene Büchlein ist ein Kunstwerk - und als solches wird es im Traklhaus auch behandelt. Die einzelnen Folien, die fertigen Seiten, aber auch die 20 Malereien der Vorzugsausgabe werden dort in einer Ausstellung präsentiert. Und sollte es bei der Eröffnung eine Panne geben, wird sich die Gesichtsfarbe Kremsmayers dennoch nicht verändern: "Mir ist nichts mehr peinlich", versichert der Maler.
2004-03-03 08:42:04