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Ein frecher Blick auf die Kunst

07.05.2009 | 16:13 |  (DiePresse.com)

Viennafair. 122 Galerien, 1000 Künstler – eine aufregende Begegnung mit Kunst aus Mittel- und Osteuropa.

Wer suchet, der findet, sagt der Volksmund. Aber im Kosmos der Kunst, die so herrlich unlogisch sein darf, laufen die Dinge anders. Pablo Picasso wusste Bescheid: „Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.“ So verortete er die Kunst im nicht fassbaren Raum der Neugier, der Überraschung, der Verstörung – und jener neu gewonnenen Harmonie, zu der sich Schock und Schönheit vor uns, den Betrachtern, fügen.

So bleibt die Begegnung mit Kunst, vor allem mit zeitgenössischer, ein Abenteuer – auch auf der Viennafair. Sie zählt, in ihrem fünften Jahr, schon zu den etablierten Kunstmessen, wurde zum Fixstern, der auf seine Art nicht weniger hell strahlt als eine Art Cologne oder Art Basel Miami. Denn die heimischen und internationalen Sammler wissen genau, warum sie sich diesen Termin nicht entgehen lassen: Nur hier gewinnen sie einen Überblick über das, was in Osteuropa, diesem aufregenden, jungen Markt, gerade läuft. Eine immer noch fremde Kunstwelt rückt in der Halle A der Messe Wien, an 122 Ständen, in den Werken von 1000 Künstlern ganz nah. Und über all dem schwebt heuer ein Sechs-Meter-Ballon, eine Installation von Jakob Gasteiger.

Dass sich diese einzigartige Drehscheibe für Kontakte, Begegnungen und Entdeckungen gerade in Wien etabliert hat, kommt für Ausstellungsdirektor Edek Bartz nicht von ungefähr: „Wien hat eine lange Tradition der Beschäftigung mit osteuropäischer Kunst. Wichtige Künstler aus der Region sind hier schon ein Begriff, wenn sie im Rest Europas noch unbekannt sind.“

Das hob an, als Erste Bank und Generali ihre hochkarätigen Sammlungen aufbauten, und setzte sich fort in der Pionierarbeit jener 47 österreichischen Galerien, die sich auf der Viennafair präsentieren: „Ob Janda, Krobath oder Kargl: Alle zeigen sie Kroaten, Serben, Polen oder Tschechen. Die Ostkünstler sind einfach ins normale Programm hineingerutscht. Diese langfristige Zusammenarbeit ist unglaublich wichtig. Unsere Messe ist ja nur ein Blitzlicht.“ Die beharrliche Lust, einander kennenzulernen, wirkt ansteckend, auch auf die Messebesucher. Was aber suchen sie in der Kunst aus Zentral-, Ost- und Südosteuropa, 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs? Ginge es ihnen um das vordergründig Exotische, das spektakuläre andere, würden sie wohl kaum fündig. Denn statt in postkommunistischer Avantgardefolklore zu verharren, hatten es die Künstler nach 1989 eilig, Anschlussx an das internationale Kunstgeschehen zu finden. Heute sprechen sie dieselbe ästhetische Sprache wie ihre Mitstreiter in New York und Peking, wittern die gleichen Trends, schlagen ähnliche Pfade in unbekanntes Terrain.

Auf der Viennafair treffen dann Aussteller aus Sofia und Lodz auf die White Columns, eine legendäre Independent-Galerie aus New York, die erstmals nach Wien kommt. Sie lebt allein von der Unterstützung durch Künstler von Weltrang.

Zur Viennafair bringt sie eine Edition mit Werken von großen Malern, die sonst nie so günstig zu haben sind: „Eine tolle Gelegenheit“, verrät Bartz, auch für neue Sammler aus Osteuropa. Denn die Einbahnstraße der Sammler – „West kauft Ost“ – gibt es nicht mehr, und das ist mit ein Verdienst dieser Messe. „Früher gab es keinen Markt vor Ort, die Galerien konnten nur im Ausland verkaufen“, erinnert sich Bartz. Für viele Galerien im Osten war die Viennafair der erste Sprung nach Westen. Heute aber kommen schon Sammler aus Budapest und Bratislava, und sie kaufen auch österreichische Kunst. Darauf ist Bartz stolz: „Diese Dynamik in der Gegenrichtung, die vor ein paar Jahren noch undenkbar war, ist genau das, was wir auf längere Sicht erreichen wollten.“

Trotz allem bleibt – das macht es für Sammler so spannend – der regionale Akzent Osteuropas auch in den Exponaten erhalten. Wie sollte es auch anders sein? Der Tagesanbruch der Freiheit, der die Region in den letzten 20 Jahren geprägt hat, gibt auch den Werken der Künstler ihr eigenes, schwer in Worte zu fassendes Faszinosum. So mögen Sammler, die sich völlig neue Impulse erwarten, auf der Viennafair vergeblich suchen – und werden doch Aufregendes finden: den jungen, frechen Blick auf das scheinbar längst Vertraute. Ob zum Kaufen oder Staunen: Kommen und finden auch Sie.


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