Vom Elite-Phänomen zum Mainstream

Die "Young British Artists" sind in Großbritannien inzwischen so populär wie Hollywoodstars.


Im Mai 2000 hat London ein neues Wahrzeichen bekommen: Die Tate Modern am Südufer der Themse. Damit hat sich die Stadt eingeklinkt in den großen internationalen Museums-Bauboom.

Das Beispiel Guggenheim Bilbao hat ja international Schule gemacht: Ein spektakuläres Museum von einem Superstar-Architekten bringt so viel Standortvorteil wie sonst fast gar nichts. Bei der Tate Modern ist das Rezept eindrucksvoll aufgegangen. Nach den Plänen des Schweizer Baukünstler-Duos Herzog und De Meuron wurde ein ehemaliges Kraftwerk zu einem der weltweit größten Museen Moderner Kunst umgebaut.

7,5 Millionen Besucher

Tate Modern / ©Bild: APA
Tate Modern / ©Bild: APA

Die Sensation: seit nicht einmal zwei Jahren haben über 7,5 Millionen Menschen (!) die Tate Modern von innen gesehen. Das Gedränge an stark besuchten Wochenenden kann man sich vorstellen. Übrigens sind 70 Prozent der Neugierigen Briten.

Das Land erlebt seit den 90er Jahren eine weltweit einzigartigen Hype rund um moderne Kunst. "Früher waren wir ein Volk von Philistern, was das betrifft - aber jetzt sind Mondrian oder Cézanne für die Leute mainstream", meint eine Kuratorin der "Tate Modern".

"Young British Artists"

Es waren die Aufsehen erregenden Arbeiten der so genannten "Young British Artists", die die Massen in die Kunsträume zogen. Damien Hirst zum Beispiel ließ tote Kälber oder einen Haifisch in Vitrinen mit Formaldehyd schwimmen.

Jake und Dinos Chapman modellierten Kindermonster, denen im Gesicht statt der Nasen und Münder Geschlechtsteile wachsen. Tracey Emin stellte ihr zerwühltes, fleckiges Bett aus. Über diese Künstler wird auch in den Klatschspalten berichtet.

"Creative Industries"

Die Labourregierung hat den britischen Kunst- und Kreativboom der letzten 10 Jahre längst in politisches Kapital umgemünzt - unter dem Schlagwort "Creative Industries". Darunter fällt so ziemlich jede Art von kultureller Produktion und deren Vermarktung - vom Theater bis zum Internetdesign, von der Architektur bis zur Musikindustrie.

Man erkannte, dass die "Creative Industries" heute einen nicht unerheblichen Teil der Wirtschaftskraft eines Landes ausmachen. Denn durch die gezielte Förderung dieses Sektors entstehen Arbeitsplätze. Und überdies werden städtische Problemgebiete aufgewertet, wenn sich Kreative dort ansiedeln.

Beispiel Manchester

Manchester, früher ein abgewirtschafteter Industrie-Standort mit hoher Arbeitslosigkeit, gilt jetzt als Herzeige-Modell dieses Trends. Eine öffentlich geförderte Agentur, das "Cultural Industry Development Service", unterstützt die Künstler und Kreativen mit Information, Kontakten und Vermittlung ins Ausland.

Burgenland-Studie

Auch in Österreich werden solche Strategien schon vereinzelt aufgegriffen. Das Land Burgenland hat eine Studie zur Kreativwirtschaft erstellen lassen - und es zeigte sich, dass in diesem Bereich fast soviel Umsatz erzielt wird wie im Einzelhandel.

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