05.09.2003 20:57
Grenzlandbilder auf Reisen
Inge
Moraths Fotos machen im slowenischen Koper Station
Graz/Koper - Es war Inge Moraths letzte Reise in ihre Heimat und
in die Erinnerungen an ihre Vergangenheit: Die weltberühmte Fotografin begab
sich gemeinsam mit der Regisseurin Regina Strassegger ins slowenisch-steirische
Grenzgebiet, woher die Familie der Steirerin, die während des Krieges
emigrierte, stammt. Unter anderem führte das fotofilmische Projekt sie nach
Slovenj Gradec (Windischgraz) in der ehemaligen Untersteiermark, wo ihr
Großvater während der k. u. k. Zeit als Bürgermeister und Notar lebte. Zu den
Lebensstationen der Fotografin und zeitweise auch Reporterin gehörten unter
anderem Paris, Berlin und schließlich New York, wo Morath ihre emotionale Heimat
gefunden hatte.
Inge Morath konnte das einfühlsame Dokument ihrer
biografischen Spurensuche leider selbst nicht mehr sehen. Das Projekt
"Grenz.Räume", eine Kooperation von Graz 2003 und dem ORF, war noch nicht
abgeschlossen, als die US-Staatsbürgerin, die mit dem Schriftsteller Arthur
Miller verheiratet war, im Jänner 2002 im Alter von 79 Jahren überraschend in
New York starb. Im Rahmen der Kulturhauptstadt konnten die Arbeiten für das
Buch, die Ausstellung, die von Brigitte Blüml und Kurt Kaindl kuratiert wurde,
und den Film aber noch fertig gestellt werden.
Die Fotoausstellung wurde
nach Graz bereits in Slovenj Gradec, Ljubljana und New York gezeigt. Nach der
istrischen Hafenstadt Koper, wo "Grenz.Räume" am Freitag eröffnet wurde, reisen
die Bilder von Moraths letztem Besuch der Heimat weiter nach Wien und Tokio.
(cms/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.9.2003)