Symbolismus im Öffentlichen Raum

In der politischen Kunst würden politische Positionen zu offensichtlich, zu vordergründig transportiert, meint Mark Wallinger.
Von Roland Schöny


Die Wiener Secession hat in letzter Zeit immer wieder Ausstellungen gebracht, in denen sich Künstler mit gesellschaftspolitischen Zusammenhängen und Symbolen im öffentlichen Raum auseinandersetzen.

Diese Linie wird nun mit einer Schau des britischen Künstlers Mark Wallinger fortgesetzt. International wurde Wallinger unter anderem im Rahmen der viel diskutierten Ausstellung "Sensation" bekannt.

Meister des Understatement

Mark Wallinger ist radikaler Kritiker des gegenwärtigen England und zugleich ein Meister des feinen britischen Understatement. Seine künstlerische Arbeit erzählt von seiner Distanz zum Neoliberalismus der Thatcher-Regierung, ist aber auch ein Spiegel seiner Beschäftigung mit Symbolen der Geschichte.

In manchen seiner viel beachteten Werke geht es um die Bedeutung von klassischer Architektur und Religion. Im Vorjahr errichtete Wallinger auf dem berühmten Londoner Trafalgar Square eine Skulptur des leidenden Christus. Diese lebensgroße Jesus-Figur war vergleichsweise winzig und auf einem riesigen überdimensionalen Sockel positioniert.

"Jesus ist genau das Richtige!"

Das war ein Jahr vor den großen Millenniumsfeiern, als in England repräsentative architektonische Großprojekte wie der so genannte Millenniumsdome geplant wurden. Als Kontrast dazu, so Mark Wallinger, wäre eine einfache Christusfigur geradezu passend gewesen: "Die Geschichte des Trafalgar Square war immer eine sehr prozesshafte und auch von Feierlichkeiten geprägt. Mir scheint, dass außer mir niemand die entscheidende Tatsache thematisiert, dass vor 2000 Jahren ein so wichtiges Ereignis wie Jesu Geburt stattfand. Dafür haben wir den Millennium Dome und solche Sachen. Ein kleiner Jesus ist also genau das Richtige!"

Damit drehte Mark Wallinger die Verhältnisse um. Auf einem Londoner Platz, der mit riesigen, heldenhaften Skulpturen überladen ist, war auf einmal eine kleine Christus-Figur zu sehen, noch dazu mit ungewöhnlich kurzem Haar. Hinzu kommt, dass im protestantischen England derartige bildliche religiöse Darstellungen höchst unüblich sind.

Konsequenter Umdeuter

Ein Tabubruch also, oder zumindest ein Sich-Auflehnen gegen die Konventionen. Das ist typisch für Mark Wallinger, der immer wieder traditionelle Zeichensysteme verändert und verdreht, um ihre Bedeutung zu hinterfragen.

In einer anderen Arbeit zum Beispiel hat er die Farben der britischen Flagge - des Union Jack - verändert und die blauen Streifen in grün verwandelt. In der Wiener Secession - im sakral anmutenden Hauptraum - ist nun Mark Wallingers Christus-Statue zu sehen, sonst ist der Raum leer. Das macht seine Ausstellung radikal, aber nicht plakativ.

Faust statt Zeigefinger

Wallinger möchte verstören, sein Publikum aber nicht belehren, wie er sagt: "Gerade die Arbeiten, die hier gezeigt werden, sind aus Ärger und Frustration über die satirische und politische Kunst unserer Zeit entstanden. In dem Bereich wird alles so wenig hintergründig, viel zu offensichtlich betrieben."

Kritik, gepaart mit einem Schuss Ironie, bringt Mark Wallinger also in die Wiener Secession. Und humorvoll ist auch die Arbeit der Amerikanerin Rita McBride, die ebenfalls in der Secession zu sehen ist. Rita McBride beschäftigt sich mit Architektur und stellt Möglichkeiten vor, die Secession in ein Urlaubsparadies umzubauen. In eine Palmeninsel mit Jugendstil-Wolkenkratzer. Entwürfe dazu werden in Modellform vorgestellt.

Tipp:

Mark Wallinger und Rita McBride stellen noch bis 24. September in der Wiener Secession aus. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

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