Passend zu ihrer aktuellen Ausstellung "Summer of
Love" wartet die Kunsthalle mit einer Parallelausstellung zweier
amerikanischer Künstlerinnen der um 1930 geborenen Generation auf, die das
psychedelische Feld erweitern. Dorothy Iannone und Lee Lozano haben sich
gängigen Systemen, wie auch dem Feminismus, stets widersetzt. Dabei sind
sie Vertreterinnen extremer Selbstbestimmung: Iannone thematisiert die
Höhen sexueller Ekstase, während Lozano Ekel und Exzess in Bilder
verpackt.
Beiden gemeinsam ist als Grundthema die Vorliebe für Comics und die für
die Sechzigerjahre so wichtige erste Historisierung der Sexualität. Beide
stießen an die Grenzen des im Ausstellungsbetrieb Möglichen, ihre Werke
wurden wegen des Vorwurfs der Pornografie abgehängt. Heute ist die
Prüderie der angeblich so offenen Zeit kaum nachvollziehbar. Zu viele
Künstler haben längst Lozanos Rat befolgt: "Seek the extremes, that’s
where all the action is", sagte sie 1969.
Die Wege der beiden mögen sich im New York der Jahre 1963 bis 1969
gekreuzt haben. Iannone war in der Pop-Szene und führte mit ihrem ersten
Mann eine Galerie, während Lozano den Minimalisten Sol LeWitt oder Dan
Graham nahe stand. Sie beendete ihre Karriere freiwillig früh, beschloss
aber auch ab 1972, Frauen zu boykottieren und nie mehr mit einer
Geschlechtsgenossin zu sprechen. Die Exerzitien ihrer "Language Pieces,"
langjähriger Umgang mit Drogen und der Wunsch Menschen zu erleben, die
keiner Konvention unterliegen, waren dafür der Auslöser.
Erstaunlicherweise sind die Bilder und Zeichnungen ihrer
polymorph-perversen Fantasie in lockerer, aber altmeisterlicher Technik
gemalt, es geht um die Männer verschlingende "Vagina dendata", um
Schwanzgesichter und Selbstbefriedigungsanleitungen. Erinnerungen an
Antonin Artaud und den Surrealismus tauchen auf.
Iannones ornamentaler und erzählerischer Kosmos eignet sich besonders
für Bücher und Storyboards. Den Farbrausch und die Ausscheide- und
Collagetechnik der frühen Zeit orientierte sie an Henri Matisse und der
Pop-Art. Iannone lebt heute in Berlin, Lozano starb 1999 in Dallas.
"Seek the Extremes . . ."
Dorothy Iannone
und Lee Lozano
Kunsthalle Wien
Bis 15. Oktober
Kuratorin: Sabine Folie
Humorvoll bissig.
Freitag, 07. Juli
2006