Wien - "Das Belvedere blüht auf", und "Opulenz und Dekadenz" hält Einzug: Die erste Frau an der Spitze der Österreichischen Galerie, Agnes Husslein-Arco, stellte am Donnerstag bei einer Antrittspressekonferenz ihre Pläne vor. Betonen will die Direktorin die Ausrichtung als international orientierte österreichische Nationalgalerie. Ab voraussichtlich 2008 soll das 20er Haus Kunst nach 1945 bis zur Gegenwart zeigen - "das wird noch ein bisschen dauern", sagte Husslein. Sie will das Haus "befreien von der leichten Staubschicht" und "obwohl wir die Tradition bewahren, ins 21. Jahrhundert mit erhobenem Haupt gehen".
Mit neuem Logo, neuem Slogan und verknappt zum "Belvedere" präsentiert sich die bis Ende des Vorjahres von Gerbert Frodl geleitete Österreichische Galerie Belvedere. Das Belvedere soll "das Kompetenzzentrum für österreichische Kunst" werden, stellte Husslein in Aussicht. Die erste Phase der Neuausrichtung soll in drei Jahren abgeschlossen sein.
Ruf nach mehr Geld
Eine Verdoppelung der Bundessubvention auf 9 Mio. Euro hat die neue Direktorin gefordert. Anfang März wird sie erstmals mit der zuständigen Ministerin Claudia Schmied Gespräche führen. Das Belvedere sei das niedrigst dotierte Bundesmuseum. In die von ihr geleiteten insgesamt sieben Häuser sei in den vergangenen Jahren nichts investiert worden. Für die Abdeckung der Basiskosten der neu erschlossenen Ausstellungsräume seien Husslein bereits 1,7 Mio. Euro in Aussicht gestellt worden.
Bezüglich des 20er Hauses bekannte sich Husslein zu den bestehenden Plänen des Architekten Adolf Krischanitz - "das ist perfekt", es werde "höchstens minimale Änderungen" geben. Fixen Eröffnungstermin gebe es jedoch noch keinen, da noch Verhandlungen mit der öffentlichen Hand und Sponsoren über die Finanzierung des Umbaus geführt werden. "2008 ist mir ganz, ganz wichtig", betonte Husslein.
Ausbaupläne
Das internationale Ausstellungsprogramm wird künftig im Unteren Belvedere und der Orangerie stattfinden, das Obere Belvedere ganz der Sammlung gewidmet sein. Die neu aufgestellte Sammlung des späten 19. Jahrhunderts wird ab 19. April unter dem Titel "Opulenz und Dekadenz" präsentiert, das Mittelalter ab 10. Mai im westlichen Flügel des Oberen Belvederes gezeigt werden. Im Herbst 2007 folgt die Neuaufstellung der Barock-Sammlung.
Erschließen will Husslein neue (oder bisher nicht ausreichend beachtete) Räume: Die Orangerie wird zu einer "wunderbaren" Ausstellungshalle adaptiert. Eröffnet wird diese passenderweise zu Frühlingsbeginn mit der ersten Sonderausstellung Hussleins, "Gartenlust" (22. März bis 24. Juni) in Kooperation mit den Bundesgärten. Die Schau wird zum Teil auch im Augarten stattfinden. Das Untere Belvedere soll "sich öffnen", sein Umbau im Frühjahr beginnen und bis 3. Oktober abgeschlossen sein.
Der Belvedere-Paradekünstler Gustav Klimt wird in Zusammenhang mit seiner "Maler-Compagnie" gestellt (1. Juli bis 2. Oktober). Zum 100. Geburtstag von Fritz Wotruba zeigt die Sonderausstellung "Einfachheit und Harmonie" (24. April bis 23. Juni im Oberen Belvedere) das frühe Werk des Künstlers. Es folgen "Meisterwerke mittelalterlicher Kunst aus dem Nationalmuseum Warschau" (5. Juli bis 23. September) und die Schau "Wien - Paris" (3. Oktober 2007 bis 13. Jänner 2008), die sich zur Eröffnung im Unteren Belvedere, im Schloss und Orangerie in 250 Werken mit Van Gogh, Cezanne und Österreichs Moderne" beschäftigt.
Klimt-Leihgaben?
Übernommen hat sie das Haus nach den Klimt-Restitutionen mit einigen Hauptwerken weniger als ihr Vorgänger. Sie wolle versuchen, auch Leihgaben von restituierten Klimt-Bildern für das Belvedere zu bekommen. "Ob mir das gelingen wird, weiß ich nicht", es würde sie jedoch "sehr freuen", und sei es nur für kurze Zeit. Es gebe Gespräche mit den neuen Besitzern.
Mit Restitutionsansprüchen wolle sie "transparent" umgehen. Sie sehe sich als "Bewahrerin der Sammlung", sei aber für eine lückenlose Aufklärung. So müsse im dem - auch nach dem Schiedsspruch immer noch umstrittenen - Fall "Amalie Zuckerkandl" "wirkliche Klarheit" erreicht werden.
Den Besuchern entgegen kommt das Belvedere mit der Abschaffung des Schließtages am Montag und daher täglich gleichen Öffnungszeiten (10 bis 18 Uhr, ab 22. März). Auch soll das Publikum in ein neues Cafe im Unteren Belvedere gelockt werden, ein Kombiticket für alle Häuser kaufen können und in einem externen Shop in der Prinz-Eugen-Straße bessere Einkaufs-Möglichkeiten bekommen.
Die aus ihrer Salzburger Zeit insbesondere für starkes Marketing und erfolgreiche Sponsorensuche bekannte Husslein will ihre Aufmerksamkeit im Belvedere besonders auch auf heimische Besucher richten. "Es ist traurig, dass die Wiener und Österreicher nicht hierher gehen. Da muss ganz massiv dran gearbeitet werden. Ich hoffe dass die Leute endlich wieder ihr Belvedere entdecken." (APA)