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nennen sich Haus-Rucker und faszinierten schon um 1970 durch utopische
Architektur, die ab morgen im Linzer Lentos zu sehen ist. Einer der
Haus-Rucker ist der Linzer Architekt und einstige Kunstuni-Professor
Laurids Ortner. Mit den OÖN sprach er über neue und historische
Visionen.
OÖN: Ein wesentlicher Punkt
Ihrer künstlerischen Arbeit war damals die Neudefinition von
Architektur. Was verstanden Sie konkret darunter? Ortner: Damals
ging es für uns darum, mit architektonischen Apparaten ein neues Gefühl
für das Leben, für die Verstärkung von Empfindungen zu provozieren.
Parallel zu den ersten Weltraumfahrten. Was dort das Outer Space war,
war bei uns das „inner space“. Die Erweiterung von Raum. OÖN: Haben sich Ihre Visionen von damals erfüllt? Ortner: Es
war uns auch damals schon bewusst, dass das Ganze ein theoretisches
Programm ist. Der Witz dabei war ja der, die feinen Wellen, die von
Architektur ausgehen, spürbar zu machen. OÖN: Wodurch unterscheiden sich Ihre damaligen Visionen von Ihren neuen? Unterscheiden Sie sich überhaupt? Ortner:
Eigentlich kaum. Es sind die Materialien, die sich geändert haben. Was
damals eine Art luftgefüllter Blasen war, sind heute halt steinerne
Gebilde. Im Grunde hat sich auch der konzeptuelle Ansatz, in den
Nutzern etwas zu bewegen, nicht geändert. Heute ist es vielleicht
wichtiger, eine gewisse längerfristige Gültigkeit zu erzeugen, während
es damals das Liefern neuer Denkansätze war. OÖN: Nicht
nur in Linz (I-Max, etc.) wurden manche Ihrer Projekte umgeändert.
Empfinden Sie die sogenannten „Gestaltungsbeiräte“ als Instrumente für
künstlerische Beschneidung oder Instrument gegen den Wildwuchs? Ortner:
Ich halte grundsätzlich diese Gestaltungsbeiräte für richtig. Ich sehe
darin keine Beschneidung. Ich denke vielmehr, dass wir auf dem Weg sind
in eine Form von intelligenter Gesellschaft, die sich weit über die
ursprüngliche demokratische Gesellschaft hinausbewegt. Eine kulturelle
Gesellschaft, in der Leute mit gleichen Interessen daran arbeiten, das,
was sie umgibt, möglichst gut zu gestalten. Insofern halte ich auch
Gegenprojekte für richtig. OÖN: Was ist für Sie die größte Errungenschaft der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts? Ortner:
Da bin ich sehr skeptisch, denn ich seh' die nicht wirklich. Es ist
zwar viel passiert, und die ganze Moderne, die über uns hereinprasselt,
hat natürlich viel ausgelöst. Aber historisch betrachtet, ist das
Ergebnis in Wirklichkeit sehr, sehr mager. Betrachten wir etwa das
Pantheon, dann ist das sowohl technisch als auch von seiner Qualität
her jenen Dingen, die heute produziert werden, weit voraus. Das radikal
Spektakuläre hat's nicht wirklich gebracht. OÖN: Wie wohnen Sie eigentlich selbst? Ortner: Gemietet, in einer Altbauwohnung. Etwas privilegiert mit Blick auf einen Park. OÖN: Was ist Ihr liebster Gegenstand da drinnen? Ortner: Mein Tisch, an dem ich sitze und arbeite. OÖN: Gibt es etwas, das Sie anwidert? Ortner:
Nein. Denn sobald ich das zulasse, hätte mich das Widerliche auch schon
im Griff. Das wäre für mich in etwa so, wie wenn man einen schmutzigen
Ball fängt. OÖN: Haben Sie eine persönliche Philosophie? Ortner:
Ja. Eine ganz simple Geschichte: Meine persönliche Philosophie
beschränkt sich darauf, so lange nicht einzuatmen, bis die Luft von
selber wieder reinströmt. Das sollte jeder mal vor dem Einschlafen
probieren. Das ist ein gutes Prinzip, das sich auch tatsächlich
philosophisch interpretieren lässt: Diese Zeit des Luftanhaltens so
weit auszudehnen, bis sie sich von selbst wieder entspannt.
vom 14.11.2007 |