| Obsessional Art | |
|
"Ich bin ein untrennbarer Teil meiner Kunst, wenn ich male oder andere Werke schaffe, dann kenne ich keine Grenzen. Das Blatt, der Tisch, der Raum - alles wird eingenommen und geht voll im Kunstwerk auf. Ich selbst bin völlig verwoben damit." |
Yayoi Kusama ist ein Kunstwerk für sich.
Der kleine, schon ein bisschen gebrechlich wirkende Körper steckt in einem
goldenen Rüschenkleidchen, ein riesiger Ring bedeckt fast die ganze linke
Hand. Ihre Augen sind violett geschminkt, die Lippen knallrot. Vorreiterin der Pop-Art
Die 1929 geborene Malerin, Performerin, Schriftstellerin, Video-,
Installations- und Fotokünstlerin Yayoi Kusama ist eine der vielseitigsten
und erfolgreichsten Künstlerinnen Japans und in vielem Vorreiterin der
Pop-Art. Kusama ging 1958 von Japan nach New York und entwickelte dort im
Umfeld von Pop Art, Minimalismus und Abstraktem Expressionismus die von
ihr selbst so bezeichnete "Obsessional Art". Während ihre Künstlerfreunde wie Donald Judd oder Andy Warhol bald
internationale Anerkennung fanden, wurde Yayoi Kusama wegen häufiger
psychischer Probleme und Aufenthalten in Psychiatrien gerne ins Eck
gestellt. Selbstähnliche Strukturen Mit Punkten und "Infinity Nets" genannten Netzstrukturen überzog sie
nicht nur Tafelbilder und Zeichnungen, sondern Objekte, "zwanghafte"
Möbel, schließlich Menschen und ganze Räume und kreierte so Universen mit
phallischen Objektauswüchsen, in denen sich die Grenzen des Raums und des
Individuums in einem unendlichen Kosmos aufzulösen scheinen.
Kusamas Schaffen steht einerseits im Kontext politischer,
feministischer und, so Kunsthallen-Kuratorin Sabine Folie, auch
buddhistischer Ideen. So war der Gedanke der "Self-Obliteration" auch in
den als "Body- and Love-Festivals" angekündigten Nackt-Performances
zentral, die Kusama seit den sechziger Jahren meist an öffentlichen
Plätzen in New York veranstaltete: Von Kusama mit Tupfen bemalte Nackedeis
verbrannten die amerikanische Flagge und demonstrierten gegen den Krieg
und für die sexuelle Befreiung. Pathologische Aspekte
Zum Teil speist sich Kusamas Arbeit aber auch aus
psychisch-halluzinatorischen Störungen, deretwegen sie dauerhaft in
klinischer Behandlung ist. Tranceartig entstanden viele ihrer
Arbeiten. 1974 kehrte Kusama nach Japan zurück und verarbeitete ihre New Yorker
Jahre in autobiografischen Erzählungen und Gedichten, die mehrfach
prämiert wurden und eine wachsende Fangemeinde erreichen. Lebenslanges Lernen
Yayoi Kusama, die schon als Kind Visionen und Halluzinationen hatte und
sich immer von Punkten umgeben fühlte, begann, ihre Umgebung ihren inneren
Bildern anzugleichen. Menschen, Objekte und ganze Räume wurden von ihr
allmählich mit Punkten und Tupfen überzogen. Das hat sich bis heute nicht
verändert und daher permanent weiterentwickelt. Tipp
Yayoi Kusama ist in der KUNSTHALLE Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien, bis 28. April 2002 zu sehen. | ||||||||||||