17.10.2002 20:07
Weibel gegen das "Zeitalter der Theorie-Rezession"
Leiter des Karlsruher ZKM möchte zum "Zentrum der
Bildforschung" werden - "Der Rest der Welt ist unplugged"
Karlsruhe - Das Karlsruher Zentrum für Kunst und
Medientechnologie (ZKM) soll sich in den nächsten Jahren zu einem
internationalen "Zentrum der Bildforschung" entwickeln. Die Kunst benötige einen
Platz, an dem Theorien zur immens wichtigen mediengestützten Bildwissenschaft
entwickelt werden können, sagte der ZKM-Vorstand Peter Weibel am Donnerstag.
Nicht die moderne Kunst sei kommentarbedürftig, sondern die moderne
Welt, die Bilderflut, die tägliche Explosion des Visuellen. "Da die medialen
Bilder längst zu den wichtigsten Bildern überhaupt geworden sind, müssen
Theorien dazu entwickelt werden", sagte Weibel.
Wider die
Theorie-Rezession
Der ZKM-Leiter sieht die Kunst in einem "Zeitalter
der Theorie-Rezession", dem ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Museum wie
seines entgegenzuwirken habe. "Es geht um Orientierungshilfen und ein breites
Bedürfnis für Theorien", sagte Weibel. Er will das ZKM noch globaler ausrichten.
"Wir dürfen nicht so tun, als säßen wir hier auf einer Insel, und der Rest der
Welt ist unplugged." Ausstellungen im ZKM würden immer einen politischen,
ökonomischen oder wissenschaftlichen Hintergrund
behalten.
Finanzen
Ein Viertel der 100 Beschäftigten im ZKM
sind den Angaben des Leiters zufolge in die Forschung eingebunden. Weibel will
diese Richtung weiter stärken. Zu den Instituten für Bildmedien, Akustik und
Gegenwartskunst kamen in den vergangenen Jahren Forschungsabteilungen für
Netzentwicklung, Grundlagenforschung sowie für das Thema Medien und Wirtschaft.
Fast zwei Millionen Euro an Drittmitteln würden diese an Forschungsaufträgen pro
Jahr beschaffen.
Das ZKM mit seinen Labors, dem Medienmuseum, dem Museum
für Neue Kunst, der Mediathek und dem Medientheater ist eine Stiftung des
öffentlichen Rechts. Die Stadt und das Land teilen sich je zur Hälfte die Kosten
in Höhe von zehn Millionen Euro jährlich. (APA/dpa)