Hundert Jahre
voller Einsamkeit?
Sammlung Essl
Klosterneuburg: "Österreich: 1900–2000" – "Konfrontationen und
Kontinuitäten"
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Maria Lassnigs
„Country Selbstportrait“ ab heute in „Österreich: 1900-2000“. Foto:
essl |
Von Brigitte
Borchhardt-Birbaumer
Ein derartiges Anliegen müsste eigentlich
scheitern, da höchstens ein dreimaliges Füllen des Museums annähernd alles
Wesentliche umfassen könnte. Aber liest man den Text von Thomas
Zaunschirm, der hier zum Thomas Bernhard der Kunsthistoriker mutiert,
fällt die Versöhnung mit dem "gescheiterten Projekt Moderne" in Österreich
nicht schwer.
Es sind einmal dem breiten Publikum weniger bekannte Namen und Werke,
obwohl natürlich von Anzinger bis Zobernig oder von Attersee bis Wurm nur
im abstrakt-geometrischen Bereich Lücken zu beklagen sind. Der Hang zum
Zeichnerischen wird von Peter Weiermair im Katalog abgehandelt, von
Plastik bis Objektkunst führt Matthias Boeckl.
Breite Präsentation
Also alles Experten auf ihrem Gebiet, die gegen die Tatsache
anarbeiten, dass wenige österreichische Künstler international wirklich
bekannt sind. Die Aktionisten sind dabei eine Ausnahme, bekommen daher
auch breite Präsentation, samt einer Klanginstallation von Karlheinz Essl
junior. Leider konnte Silvie Aigner den Bereich der "Neuen Medien", der
seit den Gründungsjahren durch Valie Export und Peter Weibel auch nicht
gerade unerhebliche Beiträge international leistet, aus Platzmangel wenig
berücksichtigen. Die mittlerweile so wesentlichen Bewegungen zwischen
Objekt und Fotografie werden zwar mit Erwin Wurm und Judith P. Fischer
andiskutiert, hier wäre unter anderen noch Inés Lombardi zu ergänzen. Mit
Esther Stocker und Barbara Höller werden endlich auch die Kontinuitäten
einer geometrischen Abstraktion seit dem Wiener Kinetismus stärker zum
Ausdruck gebracht. Ein gelungenes Projekt also? Dass von den Nazimalern
nur später hineindriftende Vertreter der "Neuen Sachlichkeit" vorhanden
sind, kann man Schmied nicht ankreiden. Seine persönlichen Vorlieben für
fantastische und figürliche Tendenzen auch nicht. Für Zeitgeistige wird
das Konzept vielleicht gediegen erscheinen, aber Zaunschirms Synthese von
Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex umkreist es trotzdem. Deshalb wäre
der Widerspruch des Kurators gegen dessen heftigen Text im Katalog gar
nicht nötig gewesen.
Sammlung Essl Klosterneuburg, bis 21. Mai
Kuratoren: Silvie Aigner, Wieland Schmied
Wirkungsvoll.
Freitag, 17. Februar
2006