Salzburger Nachrichten am 3. November 2006 - Bereich: Kultur
Am Rande des Traums

Mit "Americans" zeigt die Kunsthalle Wien einen Überblick über sechs Jahrzehnte Fotografie - Porträts vom Rand der amerikanischen Gesellschaft.

ERNST P. STROBL WIEN (SN). Das Verhältnis zwischen den USA und Europa hat Sprünge bekommen. Die moralischen und ideologischen Sicherheiten sind dank der Herrschaft von George W. Bush ins Rutschen geraten. Die Kunsthalle Wien bietet bei ihrem Amerika-Schwerpunkt die Gelegenheit, den amerikanischen Traum auf seine Gültigkeit hin zu überprüfen und die Gesellschaft anhand ihrer Ränder einer Bestandsaufnahme zu unterziehen. Die Foto-Ausstellung "Americans" (bis 4. Februar) zeigt Momentaufnahmen von den 40er Jahren bis heute. Dreizehn Fotografen mehrerer Generationen geben einen Einblick in den jeweiligen Zeitgeist und engagierte Stellungnahmen zu Traum und Realität.

Peter Weiermair ist der Kurator, nicht nur in Salzburg ein bekannter Name. Bis 2001 Direktor des Rupertinums, ging er danach als Leiter der Galleria d'Arte Moderna nach Bologna. Ein Regierungswechsel in Bologna von "der Junta" (Weiermair) zu den "Linken" kostete ihn kürzlich den Job, Weiermair wirkt derzeit als freier Kurator.

Eine vergleichbare Ausstellung wie "Americans" wurde in den USA noch nie gezeigt. Rund 350 Bilder bilden einen Rundgang durch eine soziale Landschaft, wie sie selten so ungeschönt zu sehen ist.

Der amerikanische Traum hat sich auf vielen Bildern in einen Albtraum verwandelt. Rassismus, Drogen und Gewalt, Elend und Sexualität verwandeln Menschen in Wracks. Erschütternd, dass ganz junge Menschen zu Abbildern der Hoffnungslosigkeit werden. Die Fotos sind zu Bildstrecken zusammengefasst, fotografische Positionen werden einander gegenübergestellt. Historische Straßenfotos von Helen Levitt aus New York führen zu Bruce Davidson, der Farbige in ihren New Yorker Behausungen fotografierte. Die Beat-Generation faszinierte Robert Frank, Diane Arbus fand 1962 unter ihren Außenseitern einen Jungen mit Handgranate im Central Park. Beeindruckend sind die Arbeiterbilder von Richard Avedon. Rosalind Solomon und Ed Templeton stehen für die Gegenwart. Templeton liefert wie Ryan McGinley Bilder aus der Schattenwelt der Fun-Generation.Information: www.kunsthallewien.at