Hauptmenu . _
Hauptmenu
Hauptmenu Hauptmenu Hauptmenu
Hauptmenu .

Linkmap

.
. .

Quer durch Galerien

Schokolade ist realitätsfremd

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Einem Hasen wird man nicht mit einem Aftershave kommen, nachdem man ihn vom Scheitel bis zur Blume skalpiert hat. Ein Schokoladeosterhase wiederum ist so realitätsfremd (er ist sozusagen eine Realitätsverweigerung mit mindestens 31 Prozent Kakaoanteil), den kann man beim besten Willen und mit dem ausgeklügeltsten 3-Klingen-System nicht rasieren. Und eine Frau braucht ebenfalls keinen Damenrasierer, um ihrem Pelzmantel zu entkommen, denn so ein Pelz ist bekanntlich eine übertragbare Form der Körperbehaarung (sofern ein Kürschner ein "Änderungsschneider" ist, der etwa einen Pelz, der einem Silberfuchs wie angegossen gepasst hat, für die splitternackte Spezies Mensch umändert).
Trotzdem ist der Titel "Aftershave" ("nach der Rasur") für die überaus sinnliche und assoziationsgeladene Multimedia-Installation von Christa Geiselhofer perfekt gewählt (bis 6. Oktober bei der IG Bildende Kunst, Gumpendorfer Straße 10-12). Da gibt es die tödliche Wirklichkeit der Nahrungsbeschaffung (in einem Video wird ein angehender Hasenbraten gezielt erschossen), während die Schokoosterhaserln an den Wänden ja fast einen Schmunzelinfarkt kriegen. Und mittendrin hat Geiselhofer sowohl den Osterhasen als auch den französischen Silberhasen "ausgewickelt" und das, worin die beiden "eingewickelt" waren (Metallfolie bzw. Fell), als saubere Quadrate an die Wand gehängt. (Die Vierecke aus Hasenfell sind quasi ein abstrakter Streichelzoo.)
Und auf einem silbrig schimmernden Foto ist die Künstlerin anscheinend gerade dabei, "ihren" Silberfuchsmantel abzustreifen, und ist drunter wohl nackt wie die Osterhäschen unter der Schmunzelfolie. Ob das nun die ominöse "Hasenmutter" ist oder eine "Venus im Pelz" oder gar die germanische Göttin Ostara, bei der ein starker Verdacht auf Fruchtbarkeit besteht (und die sich nicht zufällig wie Ostern anhört, weil das doch eigentlich ihr Feiertermin ist), das lasse ich diskret dahingestellt. Ein üppiges "heidnisches" Gesamtkunstwerk voll saftiger Ironie. Und vielleicht sogar ein - trefflicher - Hieb aufs "Patriarchat der Osterhasen" ("Ich hab wirklich Tausende Schokohasen ausgewickelt und alle waren männlich drunter").
Das Östrogen in der Menschheit: Nina Maron, die man eigentlich als Malhexe klassifizieren möchte, die ihren Pinsel reitet (und gelegentlich eine Walpurgisnacht im Atelier hat), zeigt bis 13. Oktober in der Galerie Lang (Seilerstätte 16) ihre "Rebellinnen". Von der Heiligen in Männerkleidern (Jeanne D' Arc) bis zu Valerie Solanas, die sich in Andy Warhols Biografie (und Körper) mit ein paar Pistolenkugeln eingebracht hat. Die Konturen der zeichnerisch sehr einfachen, sehr "wesentlichen" Gesichter rinnen aus, die Piratin Anne Bonny ist schlammig, als wäre sie aus einer Mure herausexhumiert worden. Und da und dort eine krebsig wuchernde Bildoberfläche. Maron ist eine kraftvolle, fast rüpelhafte Malerin. Und zum Thema passt 's ja. Wenngleich sie manche dieser wilden "Phantombilder" denn doch verpatzt haben dürfte: In ihrer Gesamtheit hat ihre "Ahnengalerie" immense Überzeugungskraft.
Zugegeben, es gibt Indizien, dass die Bilder der Claudia Rottenbacher (bis 11. Oktober in der Galerie Sur, Seilerstätte 7) abstrakt sind (Spiralen, "selbstgenügsame" Schaltpläne und andere Muster). Trotzdem kann man sie der Abstraktheit nicht überführen. Schon wegen der Innereien. Ein Anatomiebuch hat nämlich hier irgendwo sein Herz verloren und sein Hirn und einen gut durchbluteten Fuß (oder so). In der Disziplin "dekorativer Flächenwidmungsplan" wird die Rottenbacher übrigens immer souveräner.

Erschienen am: 28.09.2001

.

bullet Quer durch Galerien

bullet Wiedereröffnung des Museums moderner Kunst (MUMOK) im MuseumsQuartier

bullet Museum Leopold im MuseumsQuartier ist nun öffentlich zugänglich

bullet Quer durch Galerien: Hubert Winter, Galerie Wolfrum, V & V

bullet P.S.K.- Hauptanstalt: Arbeiten von Michael Goldgruber

bullet Otto- Wagner- Pavillon Karlsplatz: "Blickfang Karlsplatz" - ein Rundgang in 40 historischen Fotografien

bullet Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig (MUMOK) eröffnet

bullet Museum auf Abruf: "Bilder von Wienern" bis zum 13. Oktober

bullet Quer durch Galerien: Fotogalerie, artLab, Galerie Chobot

bullet Kunsthistorisches Museum: "Luca Giordano (1634- 1705)"

.