| Frischer Wind aus dem Norden | |
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Unberührte Natur, klares Licht, Einfachheit und Ursprünglichkeit -
das sind gewöhnlich die Klischees vom Norden Europas. Auch die Kunst ist
von solchen Stereotypen nicht verschont geblieben - wie die Ausstellung
"Norden" in der Kunsthalle Wien beweist.
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Kultur aus dem Norden boomt. Nicht nur
seit der dänische Regisseur Lars von Trier mit dem Film "Dancer in the
dark", in dem die isländische Pop-Sängerin Björk die Hauptrolle spielt,
die Goldene Palme von Cannes erhalten hat. Dennoch: Das Regionale oder gar
Nationale als Unterscheidungskriterium in der bildenden Kunst einzusetzen
erscheint immer wieder problematisch. Denn gerade in der Kunst verlaufen
die Debatten quer zu solchen territorialen Feldern stets international.
Die Sprachen beeinflussen einander gegenseitig. Trotzdem kann man immer wieder überraschende Entdeckungen machen, die
auf gegenteilige Aspekte verweisen. Etwa in einem Video der boomenden
schwedischen Künstlerin Eija-Liisa Athila. Da hat ein junges Paar
Beziehungsschwierigkeiten, im Laufe der Handlung versinken die beiden in
einem vereisten See und werden von unterirdischen Geistern zum Guten
aufgerufen. Sagenhafter Norden Also sogar in neuesten Produktionen wird der Norden als Territorium der
Sagen, Elfen, Trolle und Waldschrate thematisiert; in diesem Fall auf
ironische Weise. Einfluss haben da vor allem die literarische Tradition,
das Klima und natürlich die Landschaft. Immer wieder lassen sich solche
Bezüge auch in der Ausstellung "Norden" in der Kunsthalle Wien finden, wie
die Kuratorin Brigitte Kölle erklärt: "Es geht um die Spannungsfelder, die
sich da auftun. Der hochtechnologisierte Norden einerseits, jener Bereich
des Rationalen und Kontrollierten also, und auf der anderen Seite gibt es
immer wieder auch mythische Elemente." Verkorkstes Verhältnis zur Natur
Außen und innen Immer wieder finden sich eigentümliche Szenarien wie diese in der
Ausstellung "Norden", die derzeit in der Kunsthalle Wien am Karlsplatz zu
sehen ist. Der isländische Künstler Hreinn Fridfinnsson hat in den 70er
Jahren sein so genanntes "Haus-Projekt" gestartet, das er auf Fotografien
dokumentiert hat. Brigitte Kölle erklärt: "Er hat ein Haus gebaut, wo die
Tapeten, Bilder und Vorhänge außen angebracht waren, das Blechdach aber
innen. Dabei bezieht er sich auf eine literarische Vorlage, eine Erzählung
von Gudmansson, der so ein Haus geplant hatte, es aber nie fertigstellen
konnte, weil er für verrückt erklärt wurde."
Somit erzählt die Ausstellung "Norden" von der Transformation
traditioneller Erzählformen in die Gegenwart. An solchen Veränderungen,
Klappungen und Verdrehungen war die Avantgarde der 60er und 70er Jahre,
die mit Fluxus, Pop-Art und Konzeptkunst einiges durcheinandergewirbelt
hat, mitverantwortlich. Dieter Roth oder Öyvind Fahlström sind u.a. als
historische Beispiele in der Ausstellung vertreten. Aber auch klassisch Anmutendes kann man zwischendurch entdecken. Wenn
man einen Blick auf Jussi Kivi wirft, einen Kartographen der besonderen
Art, der sich in die finnischen Wälder begibt und jede Handlung, die er
dort setzt, mit Wegmarken, etwa mit Tagebuchaufzeichnungen, markiert. So gesehen bringt die Ausstellung "Norden" ein breites Spektrum an
Ideen und Konzepten. Comicartige Bilder von Marie Louise Eckmann.
Fotoarbeiten von Kari Motvjeit, wo plötzlich Geister auftauchen, wie
zufällig ohne erkennbare Funktion, erotische Collagen von Arthur Köpcke
oder ein Internet-Projekt der dänischen Gruppe Superflex, für
Ausstellungsbesucher, die zu aktuellen Fragen - wie etwa zur
kulturpolitischen Situation in Österreich - Stellung nehmen wollen. Aber
auch der Gruppe Superflex geht es nicht definitiv um Österreich, sondern
um allgemeine Fragestellungen zu Kultur, Ökologie und
Demokratiepolitik. Tipp: Die Ausstellung "Norden" in der Kunsthalle Wien ist bis zum 17. September geöffnet, und
zwar täglich. | ||||||