Wien – Zweieinhalb Jahre war das Salzfass weg, innerhalb von maximal vier Stunden soll am 7. September geklärt werden, wie die Saliera verschwinden konnte. Während der angeklagte Geschäftsmann Robert Mang den spektakulären Kunstdiebstahl als mehr oder weniger "b'soffene G'schicht" nach fünf Bieren und zwei Tequilas darstellen will, hofft die Staatsanwältin, die exakte Planung und den Vorsatz nachweisen zu können. Die drohende Höchststrafe für Mang: zehn Jahre Haft.
Dass der Prozess wegen schweren Einbruchsdiebstahl und versuchter Erpressung (der Uniqa-Versicherung) am Wiener Landesgericht nur so kurz dauern soll, liegt auch an der geringen Zahl der Zeugen. Nur drei Stück werden aufgeboten, darunter Wilfried Seipel, der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, und Uniqa-Generaldirektor Konstantin Klien. Letzterem hatte der Alarmanlagenspezialist Mang nach dem Diebstahl in einem Brief angedroht, er werde das Meisterwerk von Benvenuto Cellini zerstören, sollte nicht Lösegeld bezahlt werden.
Mit Spannung erwartet wird bei dem Verfahren auch die Schilderung des Einbruchs durch den heute 51 Jahre alten Mang. Er sei angeblich bei einem Museumsbesuch auf das ungenügend gesicherte Salzfass aufmerksam geworden und hätte sich nach einem Discothekenbesuch am 11. Mai 2003 um 3.55 Uhr zum Einstieg in das Museum über ein ungesichertes Gerüst entschlossen. Nach dem geglückten Coup habe er das wertvolle Stück zunächst in seiner Wohnung versteckt. Die Idee, von der Assekuranz dafür zunächst fünf, später zehn Millionen Euro zu fordern, sei ihm erst später gekommen.
Was die Anklagevertreterin Susanne Waidecker nicht glauben mag. Auf 18 Seiten legt sie in ihrer Anklageschrift dar, dass Mang das Kabinett 4, in dem die Saliera stand, Wochen vor dem Einbruch genau inspiziert hat. Ebenso wenig traut Waidecker der angeblichen Berauschung: Immerhin habe Mang es geschafft, über sieben Gerüstebenen in den ersten Stock zu klettern. "Eine Leistung, die im alkoholisierten Zustand nicht möglich gewesen wäre."
Kritik an Direktor
Der Diebstahl wurde erst Stunden später bemerkt, was eine heftige Diskussion über die Sicherungsmaßnahmen im Kunsthistorischen Museum und Kritik an Museumsleiter Wilfried Seipel sowie der zuständigen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) auslöste. Kritik, die besonders nach der Festnahme des Verdächtigen zurückgewiesen wurde.
Aufgeflogen ist Mang übrigens, nachdem nach einer missglückten Lösegeldübergabe ein Fahndungsfoto von ihm veröffentlicht wurde und er freiwillig zur Polizei ging. Dort verwickelte er sich in Widersprüche, gestand die Tat und führte die Ermittler zum Saliera-Versteck in einem Waldstück im Raum Zwettl im Waldviertel. (APA, moe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2006)