Salzburger Nachrichten am 3. November 2006 - Bereich: Kultur
KUNST

Kunsthalle Wien: Focus USA

Die Kunsthalle Wien steht noch bis Februar 2007 ganz im Zeichen der USA. "The land of the free and home of the brave" wird nicht nur durch das Medium der Fotografie (siehe oben) präsentiert, sondern auch durch einen Zeichner. Der Künstler Raymond Pettibon erfindet eine so überreich ausgestattete wie rätselhafte Comic-Welt, die ihn zu einem der eindringlichsten Chronisten des viel beschworenen "amerikanischen Traums" machen.

Raymond Pettibon

ist laut Kurator Thomas Mießgang der "vielleicht genaueste Beobachter populärkultureller amerikanischer Milieus und ein zeitgenössischer Goya". Das mag doch ein wenig hoch gegriffen sein, fest steht, dass Pettibon gut zum amerikanischen Schwerpunkt in der Kunsthalle passt. Oft wird Pettibon in der Kiste der Erinnerung fündig, findet Motive aus den 40er und 50er Jahren, zieht Filme mit Sporthelden, Detektiven, Gangstern und vollbusigen Blondinen für seine Beobachtungen heran. Die Wände im Obergeschoß der Kunsthalle quellen förmlich über, auch Videoarbeiten sind vertreten.

Kolossale Formate

sind in Form von Wandmalereien auf Pressspanplatten ebenfalls zu sehen. Sie hängen neben den rund 500, mitunter als Module eines Ganzen eng zusammengehängten Zeichnungen. Eine davon schuf Raymond Pettibon extra für die Wiener Ausstellung. Die Themen der Arbeiten sind bis heute sozialkritisch geprägt, was dem Zeichner auch schon in den 80er Jahren zum internationalen Durchbruch verhalf. 2002 nahm Pettibon an der documenta 11 in Kassel teil.

Bekannt

wurde der 1957 in Tuscon, Arizona geborene Pettibon, der heute in Los Angeles lebt, durch Plattencovers, etwa für die Punkband Black Flag oder später Sonic Youth. Dem bis zur zeichnerischen Perfektion vorangetriebenen Stil der Comics blieb er über die Jahre verpflichtet, auch den Anliegen der Sozialkritik. In den zu Themenkreisen zusammengefassten Zyklen wie "Under American Flag", "Marshall Plan" oder "Hollywood Babylon" kann man sozusagen lesen wie in Comic-Heften. Manches bleibt auch bei näherem Studium ein Rätsel, vieles erschließt sich auf den ersten Blick, Gewalt und Sex inbegriffen.eStro