

Linz - Was die Welt überhaupt vor die Frage des Reparierens stellt, darüber herrscht am Podium Einstimmigkeit. Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica, entwirft gleich zu Beginn ein ganzes Panorama: Sturz des Kommunismus, Bankrott des Kapitalismus, Scheitern der Klimakonferenz. Diese Erschütterungen haben " einen massiven Glaubens- und Vertrauensverlust in all das bewirkt, was zuvor autoritäre und ideologische Leitsysteme waren" , so Stocker. Es bleibe nichts anderes übrig, als selbst mit dem Reparieren anzufangen. Das Charmante an der Strategie:Sie habe nichts mit Hochtechnologie und ideologischer Zielstrebigkeit zu tun, sondern mit kleinteiligen Maßnahmen.
Frithjof Bergmann, Proponent der New-Work-Bewegung, bringt zum Thema Kleinteiligkeit das Prinzip der Community-Production ins Spiel. Mit Mikromaschinen wie 3-D-Druckern könnten die Dinge des täglichen Bedarfs selbst hergestellt werden. Nur so ließe sich Armut und Ungleichverteilung nachhaltig bekämpfen.
Rosen streut die Kuratorin Serafine Lindemann dem Festival. Dieses sei eine wundervolle Plattform, um neue Ideen und Möglichkeiten vorzustellen. Denn auch ihr ginge es zuvorderst um das Sichtbarmachen. Die Rolle der Kunst sieht Medienkünstler Richard Kriesche kritisch: Kunst, Technologie und Gesellschaft seien sich verschränkende Bereiche, der Kunstbetrieb an sich jedoch schaue mit großer Distanz auf das bei der Ars Electronica Gebotene.
Moderator Gerfried Sperl spitzt daraufhin zu und fragt Gerfried Stocker, ob sich denn die Ars nicht selbst durch ihre wissenschaftliche Basis dem klassischen Kunstbetrieb entziehe. Schließlich wäre das hier Ausgestellte ja nichts, was man sammeln könne. Stocker sieht es umgekehrt: Die Annäherung an das wissenschaftliche Arbeiten, jenes künstlerische Arbeiten, das selbst zu einem forschenden wird, erfülle eine wichtige sozialpolitische Aufgabe. Der Kunstmarkt hingegen sei ein völlig selbstreferenzielles Gebilde, das sich mit dieser Wirklichkeit nicht auseinandersetzen könne - ein Fehler des Kunstbetriebs und kein Makel der beim Festival präsentierten Arbeiten.
Arbeiten, die zumindest das Podium überzeugt haben - begegnet man der Skepsis des Publikums bezüglich einer baldigen ökonomischen und ökologischen Wende doch mit Optimismus und Euphorie: Hier sei in den letzten Tagen "nicht ein Babyschritt, sondern eine ganze Reise unternommen worden" , formuliert es Frithjof Bergmann. (Wolfgang Schmutz/DER STANDARD, Printausgabe, 8. 9. 2010)
Gala mit Preisvergabe der "Goldenen Nicas" - 15.000 in der Linzer Tabakfabrik beim Tag der offenen Tür
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Die Ars Electronica diskutiert ihr Festivalthema auf den verschiedensten Ebenen
Leiter Gerfried Stocker freut sich über "eine Community vom Biobauer über Leute in Sozialprojekten bis zum Chaos Computer Club"
Eine
erste Empfehlung auf der Ars Electronica, die sich heuer auf dem Areal
der ehemaligen Tabakfabrik ausbreitet: Pfeif auf die Orientierung!
Regionale Partner und Mitwirkende präsentierten ihre Projekte jeweils in einer Minute
Prolog
mit Kriesche-Installation - Im Mittelpunkt stehen die Kurswerte von
Human Rights und Climate Change samt diversen Verknüpfungen mit Capital
und Art
Das Linzer Medienkunst-Festival präsentiert Hondas hoch entwickelten Maschinenmenschen - Von 2. bis 11. September 2010
"Human
Nature": Die Ars Electronica besinnt sich auf die Natur und führt –
einmal humorvoll, einmal moralisierend – vor, wie sehr der Mensch sich
die Erde untertan macht
Mehr
denn je ist das Angebot des Festivals ohne Anleitung nicht zu
rezipieren - Was aber nicht so tragisch ist, geht es doch seit jeher
eher um "lustig" gemeinte Interaktion
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