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13.08.2002 - Ausstellung
Bilderflut von Attersee bis Messensee
Die Festspielzeit nutzen in Salzburg auch Galerien, ein internationales Käuferpublikum zu erreichen. Das Wetter treibt in Ausstellungsräume, wo österreichische und internationale Avantgarde - aber nur selten auch Gewagtes locken.
VON ALMUTH SPIEGLER


Salzburg im Festival-Trubel. Ausnahmezustand auch wegen der Wetterkatastrophe. Mehr denn je locken die dicht gesäten Ausstellungen. Neben den Großproduzenten Rupertinum (Fernand-Léger-Retrospektive) und dem Galeristen Thaddaeus Ropac - der die zwar prominent besetzte, doch nicht sehr aufrüttelnde Gruppenausstellung "Time, Space & Motion" zeigt - versuchen fast 30 Galerien, das Festspielpublikum zu ködern.

Der große Präsentations-Coup ist allerdings in letzter Minute geplatzt. Sechs Wiener und zwei deutsche Galerien wollten die aufgelassene Libro-Filiale in der Getreidegasse zum Kunst-Kaufhaus verzaubern. Alle waren sprungbereit, dann kam überraschend die Absage der Immobilienverwaltung. Nur Krinzinger und Meyer Kainer disponierten um und mieteten sich andernorts ein. Das leere, verstaubte Lokal blieb als Schandfleck mitten im Weltkulturerbe.

Nur wenige Meter neben Libro fand Krinzinger einen adäquaten Raum. Als Ausblick auf eine geplante größere Ausstellung in Wien zeigt sie bis Ende August elf junge holländische Künstler. Keine Fun-Kunst, sondern Ernsthaftes, provokant verpackt: Der Titel "Political correct? Dutch." trifft es ganz gut. Arafat mit Brüsten, ein "Roulette Africaine", kühle pornographische Anleitungen - kritische Sichtweisen mit Humor.

Sturz von der Decke

Auf eine vielleicht zu wagemutige Spitze treibt es David Bade, der die Wände mit skizzenhaften Malereien tapezierte: An die Decke heftete er das Abbild eines vom World Trade Center gesprungenen schwarzen Geschäftsmannes - im freien Fall. Fast friedlich schlafend dessen Gesichtsausdruck.

Meyer Kainer haben für ihren ersten Auftritt in Salzburg ein anderes originelles Lokal gefunden: In der zweischiffigen Halle einer ehemaligen Tanzschule ist die Ausstellung namens "Endlich eine gute Ausstellung" zu finden. Unter dem erfrischenden Motto stellt man Franz West, Vanessa Beecroft, Heimo Zobernig und die Gruppe Gelatin aus. Eine Entdeckung: der Krakauer Marcin Maciejowski, dessen sarkastische Ölbilder - zu Themen wie Beischlaf mit Schlafenden - nicht nur wieder an Pop-Art, sondern auch an eine starke eigenständige künstlerische Position in Polen glauben lassen.

Salzburg-Premiere feiern auch die Wiener Feichtner & Mizrahi: Sie präsentieren bis 25. August Newcomer: Eva Wagner, Ahmet Oran, Lorenz Estermann. Dazu einen Franz West. Ganz auf Nummer sicher geht dagegen die Galerie Heike Curtze mit neueren Arbeiten von Atter- und Messensee bis Rainer und Nitsch (bis 31. August). Alois Mosbachers großformatige Bildserie erschreckend beiläufig festgehaltener Verbrechen in der "Black Dragon Society" am andern Ufer der Salzach wird dagegen auch noch nach dem 31. August in Erinnerung bleiben.

Wie auch die Installation von Jan Fabre in der Galerie Academia (bis 15. 9.). Die einschüchternde Begegnung mit den lebensgroßen Figuren aus goldenen Reißnägeln haftet fest. Berühren verboten.



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