Salzburg im Festival-Trubel. Ausnahmezustand auch wegen
der Wetterkatastrophe. Mehr denn je locken die dicht gesäten
Ausstellungen. Neben den Großproduzenten Rupertinum
(Fernand-Léger-Retrospektive) und dem Galeristen Thaddaeus Ropac - der die
zwar prominent besetzte, doch nicht sehr aufrüttelnde Gruppenausstellung
"Time, Space & Motion" zeigt - versuchen fast 30 Galerien, das
Festspielpublikum zu ködern.
Der große Präsentations-Coup ist allerdings in letzter
Minute geplatzt. Sechs Wiener und zwei deutsche Galerien wollten die
aufgelassene Libro-Filiale in der Getreidegasse zum Kunst-Kaufhaus
verzaubern. Alle waren sprungbereit, dann kam überraschend die Absage der
Immobilienverwaltung. Nur Krinzinger und Meyer Kainer disponierten um und
mieteten sich andernorts ein. Das leere, verstaubte Lokal blieb als
Schandfleck mitten im Weltkulturerbe.
Nur wenige Meter neben Libro fand Krinzinger einen
adäquaten Raum. Als Ausblick auf eine geplante größere Ausstellung in Wien
zeigt sie bis Ende August elf junge holländische Künstler. Keine
Fun-Kunst, sondern Ernsthaftes, provokant verpackt: Der Titel "Political
correct? Dutch." trifft es ganz gut. Arafat mit Brüsten, ein "Roulette
Africaine", kühle pornographische Anleitungen - kritische Sichtweisen mit
Humor.
Sturz von der Decke
Auf eine vielleicht zu wagemutige Spitze treibt es David
Bade, der die Wände mit skizzenhaften Malereien tapezierte: An die Decke
heftete er das Abbild eines vom World Trade Center gesprungenen schwarzen
Geschäftsmannes - im freien Fall. Fast friedlich schlafend dessen
Gesichtsausdruck.
Meyer Kainer haben für ihren ersten Auftritt in Salzburg
ein anderes originelles Lokal gefunden: In der zweischiffigen Halle einer
ehemaligen Tanzschule ist die Ausstellung namens "Endlich eine gute
Ausstellung" zu finden. Unter dem erfrischenden Motto stellt man Franz
West, Vanessa Beecroft, Heimo Zobernig und die Gruppe Gelatin aus. Eine
Entdeckung: der Krakauer Marcin Maciejowski, dessen sarkastische Ölbilder
- zu Themen wie Beischlaf mit Schlafenden - nicht nur wieder an Pop-Art,
sondern auch an eine starke eigenständige künstlerische Position in Polen
glauben lassen.
Salzburg-Premiere feiern auch die Wiener Feichtner &
Mizrahi: Sie präsentieren bis 25. August Newcomer: Eva Wagner, Ahmet
Oran, Lorenz Estermann. Dazu einen Franz West. Ganz auf Nummer sicher geht
dagegen die Galerie Heike Curtze mit neueren Arbeiten von Atter- und
Messensee bis Rainer und Nitsch (bis 31. August). Alois Mosbachers
großformatige Bildserie erschreckend beiläufig festgehaltener Verbrechen
in der "Black Dragon Society" am andern Ufer der Salzach wird dagegen auch
noch nach dem 31. August in Erinnerung bleiben.
Wie auch die Installation von Jan Fabre in der Galerie
Academia (bis 15. 9.). Die einschüchternde Begegnung mit den
lebensgroßen Figuren aus goldenen Reißnägeln haftet fest. Berühren
verboten.
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