Einigung im Restitutionsfall mit der Enkelin von Jenny Steiner
"Häuser am Meer" – Teilsieg für Leopold
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Zwei Dächer gehören bald klar dem Museum: Schieles "Häuser am Meer" (Ausschnitt).Foto: apa/Leopold Museum
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Von Christoph Irrgeher

Erbin nach Jenny Steiner erhält fünf Millionen Dollar.

Konflikt mit anderen Erben des Gemäldes aber noch nicht gelöst.
Wien.
Sechs Dächer zeigt Egon Schieles Ölgemälde "Häuser am Meer". Demnächst
kann die Leopold Museum-Privatstiftung (LMPS) jedenfalls zwei ihr Eigen
nennen. Im Restitutionsstreit ist es dem Gremium nun gelungen, sich mit
einer der drei Erben respektive -gruppen zu einigen: Die Enkelin von
Jenny Steiner erhält für ihren Drittel-Anspruch fünf Millionen Dollar
(3,48 Millionen Euro). "Mehr als befürchtet, weniger als erhofft",
kommentiert ihr Anwalt Alfred Noll den Vergleich. Für seine Klientin sei
die Angelegenheit aber "auf eine für sie befriedigende Weise gelöst".
Freilich handelt es sich nur um einen Teilsieg, sind die anderen
Parteien (laut LMPS-Vorstand Helmut Moser eine Gruppe in England sowie
eine Gruppe von Stiftungen und Fonds in den USA) doch längst nicht
befriedet. Wie der "Standard" vermeldete, hätte die Stiftung den Erben
im März angeboten, ihnen 60 Prozent eines Schätzpreises von 25 Millionen
Dollar zu zahlen. Womit jede der drei Parteien fünf Millionen Dollar
erhalten hätte. Auf dieses Offert dürfte Steiners Enkelin eingegangen
sein. Wie Moser nun sagt, können die anderen nicht auf mehr Geld hoffen:
"Wir werden alle gleich behandeln."
Bereits elf Jahre zieht sich der Restitutionsfall hin. Zwar war dabei
stets unstrittig, dass das Werk einst von den Nazis geraubt wurde. Weil
das Leopold Museum jedoch keine staatliche Institution ist, existiert
keine Restitutionspflicht. Wie Elisabeth Leopold, Witwe des Sammlers
Rudolf Leopold, betont, rang man seit Beginn um eine Vergleichslösung.
Geld soll nun die Versteigerung von Schieles "Häuser mit bunter
Wäsche" (22. Juni, Sotheby’s London) bringen. Sollte das Auktionshaus
mit seiner Schätzung (einer Preisspanne von 24 bis 33 Millionen Euro)
recht behalten, ließe sich durch den Ertrag nicht nur der 2010 erzielte
Vergleich über Schieles "Wally" (15 Millionen Euro) bezahlen, sondern
auch einer über die "Häuser am Meer", und zwar auch mit den übrigen
beiden Erbengruppen. Diese wären auch zu einem Vergleich bereit, jedoch:
erst nach einer Versteigerung der "Häuser am Meer" – was die LMPS
partout verhindern will.
Printausgabe vom Donnerstag, 12. Mai 2011
Online seit: Mittwoch, 11. Mai 2011 18:16:00