06.12.2002 12:05
Mehrfaches Interesse am Werk Fritz
Wotrubas
Zwei neue Publikationen erschienen -
Belvedere bietet Heimstätte für seinen Nachlass an
Wien - "Für die Kunst ist die Unendlichkeit ein alltäglicher
Begriff", sagte der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM),
Wilfried Seipel, in seiner Funktion des Vorsitzenden des
Fritz-Wotruba-Nachlass-Vereins.
Neue Heimstätte
Zwei
"unendliche Geschichten" kamen laut Seipel mit zwei präsentierten wichtigen
Publikationen zum Werk des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba (1907-1975)
zum Abschluss, eine weitere ist jedoch noch nicht zu Ende: Die langjährige Suche
nach einer geeigneten Heimstatt für den Nachlass Wotrubas. Nun gibt es ein
Angebot der Österreichischen Galerie Belvedere, die Werke ins 20er Haus am
Arsenal zu übernehmen.
Dort könnten der vom "Verein der Freunde zur
Erhaltung und Betreuung des künstlerischen Nachlasses von Fritz Wotruba"
verwahrte Nachlass in Form eines "begehbaren Depots" dauerhaft gezeigt und der
Wissenschaft zugänglich gemacht werden, erläutert Direktor Gerbert Frodl seinen
Vorschlag, den er Seipel unterbreitet hat. Wechselnde Exponate könnten in
Ausstellungen mit anderen österreichischen Künstlern konfrontiert werden. Es
soll im 20er Haus "kein reines Wotruba-Museum" entstehen, sondern der Bildhauer
in die österreichische Kunstszene integriert werden.
Warten auf die
Entscheidung
Das 20er Haus wurde bis September 2000 vom Museum
Moderner Kunst Stiftung Ludwig bespielt, wird voraussichtlich ab Herbst 2003 für
rund zwei Jahre renoviert werden und danach Ausstellungsort der Österreichischen
Galerie Belvedere sein. Frodl hofft darauf, dass der Wotruba-Nachlass-Verein mit
der Entscheidung nicht "zu lange auf sich warten lässt", damit die Planung
zeitgerecht abgeschlossen werden kann. Diskutiert wurde der Vorschlag bei der
gestrigen Vorstandssitzung und Generalversammlung des Vereins.
Als
Heimstatt für den Wotruba-Nachlass war immer wieder die Albertina im Gespräch,
doch laut Seipel habe sich Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder letztlich
doch gegen diese Option entschlossen. Auch Pläne für eine Übersiedlung in den
Fischer-von-Erlach-Trakt des MuseumsQuartiers waren bereits weit gediehen,
wurden jedoch zu Gunsten des Quartier21 aufgegeben. Alternativ zum 20er Haus
gebe es auch Überlegungen, neben die Wotruba-Kirche in Wien-Liesing ein
geeignetes Haus "auf die grüne Wiese" zu stellen, so
Seipel.
Publikationen
Nach der Vorstandssitzung wurden zwei
Neuerscheinungen zum Werk Wotrubas präsentiert. Im Schweizer Erker Verlag
erschien das schön gestaltete Werkverzeichnis von Otto Breicha (Herausgeber und
Redaktion: Jürg Janett), das auf 326 Seiten, 79 Tafeln und 582 Abbildungen einen
vollständigen Überblick über das Schaffen Wotrubas gibt und durch eine Biografie
und eine Bibliografie ergänzt wird.
Und in der Schriftenreihe der
Albertina im Böhlau Verlag ist "endlich nach langen Geburtswehen", so die
Autorin Renata Antoniou, ein Überblick über Wotrubas graphisches Werk, "Fritz
Wotruba, Das druckgraphische Werk 1950-1975", erhältlich. "Die Zeichnung ist für
mich meistens Vorarbeit für den Stein. Selten, aber doch, entstehen Zeichnungen
nur um ihrer selbst willen", zitierte Antoniou den Künstler während ihrer
vollständigen Aufzählung der 190 graphischen Blätter bei der Präsentation.
(APA)