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Wien attackiert mit künstlerischen Bildern vom Krieg Eine nackte junge Frau tanzt am Strand mit einem Hula-Hoop-Reifen - aus Stacheldraht. Ihre Haut wird zerrissen, doch die Bewegung scheint unendlich weiter zu gehen, fast wie das Rauschen des Meeres. Wien (APA) - Die Frau ist die israelische Künstlerin Sigalit Landau und der Strand liegt nahe Tel Aviv. Der Zirkel der Gewalt begrenzt den Raum des Individuums, dem diese Grenzziehung unter die Haut geht. Mit der DVD "Barbed Hula" (2000) empfängt die neue Kunsthallen-Ausstellung "Attack!" (23. 5. bis 21. 9.) ihre Besucher."Wir wurden vom Weltgeschehen überholt", stellt Kunsthallen-Direktor Gerald Matt gleich zu Beginn der heutigen Pressepräsentation fest. Schon vor zweieinhalb Jahren haben die Arbeiten an "Attack!", einer Ausstellung über Kunst und Krieg in den Zeiten der Medien, begonnen. Diese sei also keine schnelle Reaktion auf die Schlagzeilen des Tages, sondern zeuge von einem wieder erwachten politischen und gesellschaftlichen Bewusstsein der Künstler. Gabriele Mackert und Thomas Mießgang kuratierten eine Schau, die schlaglichtartig sehr unterschiedliche Perspektiven zu einem groß gewählten Thema vorstellt. Der italienische Künstler Antonio Riello etwa hat Handgranaten und Maschinengewehre mit Kunstpelzen und Diamanten zu poppig-modischen Accessoires stilisiert. Sein Verwirrspiel mit dem Reiz des Militärischen für Mode und Erotik irritiert. Krieg als Domäne der Männlichkeit reizt viele Künstler: Die Amerikanerin Collier Schorr porträtiert junge Deutsche in Wehrmachtsuniformen. Man meint den Männern in der Adoleszenz ihre schüchterne Neugier und schaurige Faszination anzusehen, mit der sie in die ungewohnte Rolle schlüpfen. Auf Kosten ihrer Individualität sexualisieren die Uniformen die jungen Männer. So stellen Schorrs Bilder Begriffe wie Identität, Nationalismus und Männlichkeit in Frage. Die Grauen des Krieges lassen sich auch vermittlen, wenn man zeigt, wie schön Krieg sein kann. Adi Nes, ein Israeli, hyperstilisiert das Leben von Soldaten in der Serie "Soldiers" (1994 - 2000) mit intensiver Farbdramaturgie zu Persiflagen etwa von da Vincis "Das letzte Abendmahl". Erasmus Schröter inszeniert verlassene Bunker am Strand des "Atlantikwalls" mittels farbiger Beleuchtung als ästhetische Objekte. Die Ästhetik des Krieges findet nicht nur mittels Modeschöpfungen im Camouflage-Look (als Dias zu sehen) Eingang in den Alltag. In der zweiten Etage der Kunsthalle hängen Bildteppiche aus Afghanistan, geknüpft in Flüchtlingslagern, deren Muster wie selbstverständlich Bilder von Panzern, Bomben und Gewehren verwenden und so die Lebensrealität der Menschen auf erschreckende Weise abbilden. Der Besucher wird mit unterschiedlichen Zugängen zu einem komplexen Thema attackiert. Videospiele, zarte Aquarelle, viele Fotografien, historische Zeitungen, Videos, Teppiche und Skulpturen fesseln die Blicke und provozieren neue emotionale Reaktionen auf Bilder, deren Vermittlung in den Medien längst zur Gewohnheit geworden ist. Zur Ausstellung ist im Steidl-Verlag ein Katalog erschienen. "Attack! - Kunst und Krieg in den Zeiten der Medien" vom 23. Mai bis 21. September (Eröffnung: 22. Mai, 19 Uhr) in der Kunsthalle Wien, MuseumsQuartier, täglich 10 bis 19 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr. Information: KUNSTHALLEwien.at oder unter Tel. (01) 521 89 33. Katalog, ca. 200 Seiten, ca. 130 Farbabbildungen, ISBN 3-88243-878-7, erschienen im Gerhard Steidl-Verlag, erhältlich um 22 Euro. 2003-05-22 13:30:28 |