Galerie Belvedere: Valie Export
Sprache und Spaltung
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer Serien von Zeichnungen,
Schriftbildern und Fotografien sowie auf dem Faktor Wiederholung
aufgebaute Rauminstallationen mit Neuen Medien sind ein wesentliches
Charakteristikum der bekannten österreichischen Künstlerin Valie Export.
Die Österreichische Galerie Belvedere zeigt nun bis 20. Feber 2005 im
Atelier Augarten eine darauf konzentrierte Ausstellung, die das allgemein
positive Echo auch wirklich verdient.
Rund 90 Werke der Künstlerin schlagen einen weiten
Bogen von den experimentellen späten 60er und 70er Jahre bis zu
Zeichnungen von 2004, die Wellen in Form, Struktur und Varianten
nachspüren.
Die Künstlerin ist die
Grande Dame der
Neuen Medien, des experimentellen Films und der konzeptuellen Fotografie;
ihre berühmten Aktionen, sei es nun das "Tapp- und Tast-Kino", die
"Genitalpanik" oder die "Mappe der Hundigkeit" haben nicht nur Aufsehen
erregt, sie sind die wesentlichen Beiträge zur feministischen Kunst der
späten 60er Jahre und heute Klassiker, die in keiner Ausstellung fehlen
und auf die sich auch die jüngere Generation immer noch beruft.
Kurator Thomas Trummer hat sich auf konstruktive und sehr poetische
Arbeiten konzentriert, aber auch der neuesten Objektkunstserie "Heads.
Aphärese" von 2002 breiten Raum im Eingangsbereich eingeräumt. Die Oskar-
Kokoschka-Preisträgerin und Professorin an Kunstuniversitäten in
Deutschland und den USA kann mit der Präsentation ihrer konzeptuellen
Fotografien des Wiener Stadtraums, aber auch einfachen Leitern, Zügen und
Straßen, wie auch dem "Emotionssignal" (einer Feuer- und
Wasser-Inszenierung an Belgiens Küste von 1973, die auch am Cover des
Katalogs abgebildet ist) sehr zufrieden sein. Für die Schau wurde außerdem
ein früher Entwurfsplan endlich verwirklicht und "Split Video Mobile" von
1975 aus der Zeit des "Expanded Cinema" interaktiv für Besucherinnen und
Besucher aufgebaut.
Vorreiterin Valie Export
Dabei
wird die Selbstbeobachtung als Besucherin möglich gemacht: beim Eintreten
gefilmt, trifft man sich beim Rückweg am Monitor wieder an. Nicht nur mit
dergleichen Wahrnehmungsspielen, die dem Voyeurismus skeptisch
gegenüberstehen wird klar, welche wesentliche Erweiterung der Skulptur im
Raum, der Zeichnung und der Fotografie Valie Export geleistet hat:
Sprache, Reproduzierbarkeit und neue Formen der Wahrnehmung durch Konzepte
der Bewegung sind nur einige der neuen Kunstmittel von Valie Export, die
auf einen komplexen theoretischen wie praktischen Erfahrungsschatz
hinweisen. Auch zeigt sich, dass viele hier gezeigte Arbeiten immer
noch zu wenig bekannt sind, beziehungsweise die Werke der Künstlerin in
den Museumssammlungen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Dass die im
Ausland höher geschätzte Vordenkerin der Neuen Medien neben wichtigen
Ausstellungen auch noch ein paar wesentliche Auszeichnungen dieses Landes
vermisst, wird hoffentlich nicht Dauerzustand bleiben. Der kleine
Katalog konfrontiert einige der älteren Arbeiten mit den weniger bekannten
neuen. Nicht unerwähnt sollten auch die digitalen Collagen von
Frauengesichtern und Architekturen bleiben.
Erschienen am: 17.11.2004 |
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