| Salzburger Nachrichten am 25. Juni 2005 - Bereich: kultur
Interview
Der persönliche Bezug zum Thema - er ist der Sohn der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin und des
Autors Bernward Vesper ("Die Reise") - habe ihn in seiner Tätigkeit bei
der Ausstellungsmitgestaltung nicht behindert, versichert Felix Ensslin im
SN-Gespräch in Graz. Er bringe das notwendige Wissen für die Arbeit und
auch Leidenschaftlichkeit mit, sagt er und betont zugleich: "Ich lese
meiner Mutter keine Messe." Mitkuratorin Ellen Blumenstein erklärt, man
habe mit der Ausstellung sichtbar machen wollen, wie mediale Prozesse
funktionierten. Die Rolle der Medien als eine Kraft gegen, mit und um den Terrorismus werde diskutiert.
"Keinesfalls wird eine Einteilung, hier die bösen Medien, da die gute
Kunst, vorgenommen", erklärt Blumenstein. Eine Beleuchtung des abstrakten
"Realitätszeichens RAF" (Klaus Theweleit) aus unterschiedlichen
Perspektiven also. Die Kunst sei auch nicht als Ergänzung der medial
vermittelten Wirklichkeit gedacht, sagt Ensslin. Es gehe um
Konfrontationen, um Dialoge zwischen den Öffentlichkeiten der Kunst und
der Medien. Dass die Schau in Graz - anders als in Berlin - kaum
wahrgenommen werde, amüsiere ihn, sagt Ensslin. "Es ist lustig, mit
derselben Ausstellung zwei völlig entgegengesetzte Probleme zu haben."
m.b. |