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Kulturhauptstadt: Linz will 2009 das Gelbe vom Ei werden

20.05.2008 | 19:10 |  (Die Presse)

Zeitgeschichte und Theaterlust sind wichtige Schwerpunkte. Das Programm ist zu 90 Prozent fixiert.

Die Freie Szene protestierte. Debatten gab es auch um Honorare. Bei der Pressekonferenz von Linz 2009 als Kulturhauptstadt Dienstag in Wien war man um Konzentration auf das eigentliche Thema, die Kunst, bemüht – unter reichlicher Verwendung des Wortes Internationalität und eines guten Schusses unfreiwilliger Komik: Das neueste Linz-Programm – 90 Prozent der Veranstaltungen sind nun fixiert – ziert ein Spiegelei mit Beistrich. Denn Linz will das Gelbe vom Ei werden, wie Intendant Martin Heller meinte.

Bund, Land und Stadt spendieren 60 Mio. Euro, weitere 260 Mio. Euro fließen in Investitionen wie die Erweiterung des Ars Electronica Zentrums bzw. den Südflügel des Schloss-Museums.


Verborgene Stadt der NS-Zeit

Eröffnet wird mit einem dreitägigen Fest samt Feuerwerk und musikalischen Attraktionen. „In Situ“ heißt ein Zeitgeschichte-Projekt: An 64 Orten sollen Erlebnisse von Menschen im Dritten Reich illustriert werden, z. B. wie zwei Arbeiterinnen, die Milch stahlen, zu Kriegsende gehenkt wurden. Man sei bestrebt, den Alltag „in der einstigen Paten-Stadt des Führers“ bewusst zu machen, erklärte eine der In-Situ-Kuratorinnen, Heidemarie Uhl.

„Theaterlust“ will der für die darstellende Kunst zuständige ehemalige Direktor des Wiener Schauspielhauses, Airan Berg, verbreiten: Die bosnische Regisseurin Aida Karic zeigt ihre Klassiker-Trilogie: „Maria Stuart“ und „Johanna von Orleans“ (Schiller) sowie Kleists „Penthesilea“. Der belgische Theaterregisseur Luk Perceval dreht einen Film über die Schattenseiten von Linz („Die verborgene Stadt“).

Mehr als 8000 Teilnehmer sollen zum Jugend-Musikfestival „Megahertz“ kommen, auch ein „Circus“ gehört zum Musik-Programm, für das der Komponist Peter Androsch zuständig ist. Der Schlagzeuger Doug Hammond präsentiert ein eigens für Linz komponiertes Orchesterwerk. Insgesamt haben sich für 2009 rund 329 Künstler aus 43 Ländern angekündigt. Kulturhauptstadt-Jahre sind solche der Superlative – auch bei den Finanzen, wie die Kulturhauptstadt Graz 2003 im Nachhinein schmerzlich erfuhr. Dass das neue Linz-Programm wegen eines Staus bei der PK zunächst nur auf Englisch vorhanden war, ist hoffentlich kein Vorzeichen für die Organisation. Vorhanden und fertig: Ein Linz-Buch mit Fotos und Ansichten der Stadt. (www.linz09.at) bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2008)


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