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"Preis sagt nichts über Qualität eines Kunstwerks aus"

07.05.2009 | 16:31 |  (DiePresse.com)

Viennafair. Matthias Limbeck und Edek Bartz im Gespräch über aktuelle Trends auf dem Kunstmarkt, und wie man der Wirtschaftskrise gegensteuern wird.

„Die Presse“: Die Viennafair konnte 2008 ein Rekordjahr feiern – sowohl was die Anzahl der ausstellenden Galerien als auch die Besucher betrifft. Wie sieht es heuer aus? Trifft die aktuelle Wirtschaftskrise auch die Viennafair?

Matthias Limbeck: Im vergangenen Jahr haben 121 Galerien bei uns ausgestellt – und ich war erstaunt, dass es heuer noch mehr Anfragen gab. 122 Galerien werden bei der Viennafair 2009 zu Gast sein – 29 aus Mittel- und Osteuropa, 48 aus Westeuropa, 47 aus Österreich und eine aus den USA. Ein guter Mix, denke ich. Unsere Sponsoren waren glücklicherweise – trotz Krise – sehr loyal. Die Erste Bank hat sich stark engagiert und unterstützt Galerien aus Mittel- und Osteuropa. Departure, das Wirtschaftsministerium, das Kulturamt der Stadt Wien und die Wirtschaftskammer fördern die Viennafair. Treffen wird uns die Krise bei den Sammlern: Aus den USA werden weniger Sammler kommen, das haben wir bereits bei der Art Cologne gesehen. Wir haben entgegengesteuert, indem wir aus anderen Regionen neue Sammlerkreise erschlossen haben.

Was wird man heuer auf der Viennafair zu sehen bekommen? Gibt es bestimmte Trends am Kunstmarkt?

Edek Bartz: Die figurative Malerei ist nach wie vor sehr präsent – und sie kommt jetzt vermehrt auch aus dem Osten. Bisher waren die mittel- und osteuropäischen Länder vor allem für ihre Konzeptkunst berühmt – das kommt daher, dass die Künstler im Kommunismus underground arbeiten mussten. Durch den Fall der Mauer und durch das Internet hat sich das in den letzten Jahren geändert. Ein weiterer Trend ist, dass es langsam wieder mehr abstrakte Kunst gibt. Und: Junge Künstler beschäftigen sich wieder stärker mit Skulpturen und Installationen.

Bei der Viennafair wird es auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „All art isn’t global“ geben. Was denken Sie – ist die Kunst globalisiert?

Bartz: Ich denke, dass die Zeit der maßlosen Globalisierung vorbei ist. Das war eine Phase, die die Kunst durchstehen musste – dadurch, dass alles sichtbar, alles abrufbar ist, hat sich das Sehen verändert. So kam es zu einer Internationalisierung der Kunst. Aber ich denke, die Künstler werden sich wieder mehr ihrer Wurzeln bewusst. Sehen Sie sich rumänische Malerei an – die ist alles andere als fröhlich. Sie reflektiert die schwierige Zeit, die das Land durchmachen musste und noch immer durchlebt. Im Westen würde man so nicht malen – man würde sogar sagen: Mit so einer Kunst kann man keinen Erfolg haben. Aber dieses Schielen nach dem Markt ist nicht, was gute Kunst auszeichnet.

Was ist für Sie gute Kunst?

Bartz: Für mich ist Kunst dann gut, wenn ich sehe, dass der Künstler sich in seiner Arbeit mit der Welt, mit der Umwelt und mit der Geschichte der Kunst auseinandersetzt und versucht, Antworten auf die ewig gleichen Probleme zu finden. Auch achte ich darauf, wie ernsthaft er ist, wie er sich entwickelt und seine Arbeit verändert. Da kann es auch dazugehören, dass er einmal crasht.

Nach welchen Kriterien sollte man Kunstwerke kaufen? Sollte man sich danach orientieren, was prominente Sammler kaufen?

Bartz: Wenn ein großer Sammler fünf Bilder eines jungen Künstlers kauft, hat dies natürlich Signalwirkung für andere Käufer. Es sagt aber nichts über die Qualität des Künstlers aus. Ich würde so eine Entscheidungsfindung nicht empfehlen. In erster Linie soll einem gefallen, was man kauft – ob das rote Abstraktionen oder Landschaften sind. Das Bild muss dich ansprechen. Der Preis sagt nichts über ein Kunstwerk aus. Gute Kunst gibt es in jedem Preissegment. Auf der Viennafair gibt es Kunstwerke zwischen 150 und 300.000 Euro zu kaufen.

Wie hat sich Wien als Messestandort positioniert?

Limbeck: Sehr gut. Denn Wien ist eine Kulturdrehscheibe, ein Melting Pot für Kunst aus dem Osten und aus dem Westen. Und die Viennafair ist mittlerweile ein Fixstern am Kunstmessesektor – diese Position wollen wir natürlich weiter ausbauen.

Gibt es eine spezielle Aktion am Sonntag?

Limbeck: Wir bieten heuer ein noch umfangreicheres Rahmenprogramm und zahlreiche andere Angebote: Am Muttertag zum Beispiel haben alle Mütter gratis Eintritt. Die Kinder sollen natürlich mitkommen. Damit wird zeitgenössische Kunst den Kindern zugänglich gemacht. Sie können sich vor Ort auch selbst als Nachwuchskünstler versuchen.


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