Die Säulen des Krischanitz leben weiter
ERNST P. STROBL Wien (SN). Die Secession ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, das Gebäude von Joseph Maria Olbrich, das 1897 an der Wienzeile errichtet wurde, als „Krauthappel“ berühmt und auch heute noch beliebtes Fotomotiv. Zuletzt wurde 1985/86 umgebaut und renoviert, der Architekt Adolf Krischanitz setzte markante Akzente. Dazu zählten neben Möbeln auch vier Säulen im Großen Saal, die als Otto-Wagner-Zitat vernietet waren und spiegelblank. Wenige Jahre danach wurden sie weiß gestrichen und quasi „unsichtbar“. Der Schweizer Kurator Moritz Küng ließ sie nun wieder freilegen und stellte eine Künstlergruppe zusammen, um über das Thema „Die fünfte Säule“ und die vier Krischanitz-Säulen zu neuen Erkenntnissen vorzudringen. „Die Zukunft muss gefährlich sein“, schrieb Dora Garcia aus Barcelona in Goldschrift an die Saalmauer und legte die Spur eher zum Hausmotto der Secessionisten: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“
Nun spiegeln also die schlanken Krischanitz-Säulen wider und können sich wiederum spiegeln, denn mit kolossalen Spiegelmobiles nimmt der Waliser Künstler Cerith Wyn Evans den Luftraum in Besitz. Dezenter ist Guillaume Leblon aus Frankreich nur zum Teil, dominant ist der blaue Teppich, zurückhaltend dagegen die schmale Messingleiste an einer Wandkante.
Im Weiß des Saales kann sich aber auch der weiße Kubus von Heimo Zobernig nicht verstecken. Er ist ein leicht schmutziges Relikt einer Einzelausstellung, die der Kärntner Künstler 1995 als Labyrinth gestaltet hat. Eine als Lampe getarnte Schaufensterpuppe erinnert an Erwin Wurm, ist aber von Zobernig.
Es gibt noch andere mehr oder weniger raffinierte Exponate. Erklärungen sind hilfreich. Auch ein Blick in den Keller lohnt sich. Ein Tee-Raum ist nichts, wo man etwas zum Schlürfen kriegt, sondern die Wand wurde mit Tee eingefärbt. Auch einen grauen Saal hat die Belgierin Joelle Tuerlinckx ausgemalt. Mit Buchstaben auf dem Boden oder an der Wand arbeitet Peter Downsbrough, Jahrgang 1940 und damit der Älteste. (bis 20. 11.) www.secession.at




















