Salzburger Nachrichten am 09. Februar 2002 - Bereich: kultur
Die Himmelsleiter hinauf

Yayoi Kusama stellt in der Kunsthalle im Wiener Museumsquartier aus

Die Künstlerin Yayoi Kusama hat in den letzten Jahren mit Rauminstallationen auf sich aufmerksam gemacht, die Muster und Spiegelungen zusammenführen und den Besucher als Teil der Rauminstallation mit einbeziehen. Den Lebensmustern war die Künstlerin schon immer auf der Spur. In den 60er Jahren handelte es sich oft um Aktionistisches, sie plädierte für die "nackte Wahrheit", die jedem eine Chance gibt.

Punkte in allen Größen und Farben sind seit ihren Aktivitäten in der Popart-Szene ein wesentlicher Bestandteil geblieben, ob das nun Raumarbeiten, Körperkunst oder die aus gemusterten Stoffen genähten Früchte und Gemüse sind, mit denen sie (1993) in Venedig gezeigt wurde.

Yayoi Kusama war eine "internationale" Künstlerin und ist es jetzt, nach einer stilleren Phase, seit etwa zehn Jahren wieder. Es mag einen Einbruch ihrer Aktualität während der "Konzeptart" gegeben haben, darüber hinaus wurde sie aber in Gruppenausstellungen unter jedwedem Muster präsentiert, von der Minimal Art bis zur Popart. Es ist gerade ihr radikales Lebenskonzept, welches besticht und ihre Arbeiten in jeder Ausstellung markant in Erscheinung treten lässt. Ihr Lebens- und Kunstkonzept des Sichauslieferns, des totalen Eintauchens ist vielleicht dennoch "nachhaltige Konzeptkunst".

Die Kunsthalle Wien (Museumsquartier) bringt nun die erste relevante Darstellung der Künstlerin in Mitteleuropa. Die in Japan geborene Yayoi Kusama ist in New York groß geworden, ist in Europa ausreichend bekannt und hat durchaus auch andere Kontinente erobert (Australien). Kuratorin Sabine Folie und das Kunsthallen-Team haben ganze Arbeit geleistet, die Schau ist perfekt und etliche der Installationen, die extra für die Kunsthalle Wien entstanden sind, sind sogar bereits im Katalogbuch integriert.

Am Anfang stand die Malerei, in der Folge gab es aber kaum einen Bereich (Texte, Performance, Film, Installationen, Environments), dem sich die Künstlerin nicht in ihrem Universum der Visionen gewidmet hätte. Auch politische Statements im Kleide der Kunst wurden abgegeben, zur Nixon-Affäre und zu Vietnam. Aktuell fand man nun in einer bemerkenswerten Ausstellungsarchitektur von "Pauhof" den für die "Polka-Dot-Princess" (Spitzname der Künstlerin) und ihre Environments (gemustert) mit aufblasbaren Skulpturen, Interieurs, Spiegelkabinetten oder einem farbigen Lichtermeer richtigen Ort. Die berührendste Skulptur ist wohl eine Himmelsleiter aus farbigen Lichtsträngen, die durch Spiegelungen und eine vegetative Struktur, im wahren Sinn des Wortes in den Himmel zu wachsen trachtet.

Bis 28. 4. JANA WISNIEWSKI