VN Sa, 16.8.2003

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Kultur 

Die Botschaft hört man wohl

VON WALTER FINK

Eine illustre Tafelrunde war vergangenes Wochenende in Salzburg von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel geladen. Politiker, Wirtschaftskapitäne, Wissenschafter und Künstler kamen zusammen, um über "Unsicherheit in einer unsicheren Welt" zu plaudern. Es war ein Gedankenaustausch, kein Symposion mit einem konkreten Ziel. Ein Gespräch unter Menschen, die etwas wissen und die etwas zu sagen haben. Es stellte sich allerdings auch heraus, daß es zum angesprochenen Thema nicht so viel zu sagen gibt.

Zumindest nicht viel Konkretes. Zu unsicher ist die Lage. So gab es denn auch manche Äußerung, die eher locker gemacht wurde, manche, über die man sich auch einige Tage Zeit lassen mußte, um sie - möglicherweise - richtig einordnen zu können.

Jiri Grusa, seit seiner Eröffnungsrede bei den Bregenzer Festspielen auch in Vorarlberg bekannter Botschafter Tschechiens in Österreich, machte das Problem deutlich: "Die See ist rauh und die Navigation fällt schwer, weil wir keinen Heimathafen haben. Auch das Ziel fehlt. Die Karte zeigt nur den Weg, den wir hinter uns gelegt haben." Jürgen Flimm, Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, ergänzte das Bild: "Wir sind aus den Häfen ausgelaufen und unsere Schiffe waren stark. Manche trugen sogar Kanonen. Doch plötzlich zeigt sich, daß unsere Gesellschaft unfähig geworden ist, ihre Prinzipien aus sich heraus zu erneuern." Peter Sloterdijk, auch bei uns durch das "Philosophicum Lech" bekannter Philosoph, wurde unter Verweis auf die "Genesis" fast biblisch: "Wir sind alle enttäuschte Christen. Weil Gott sah, daß es gut war, glaubten auch wir, daß die Welt in Ordnung sei. Doch die Unordnung ist heute die Norm. Gott müßte daher sagen: Das, was ich geschaffen habe, ist nicht wirklich gut. Die Schöpfung geht weiter. Wir leben erst in ihrer zweiten Woche."

Solche Unsicherheit wiederum sieht der berühmte italienische Kaffeefabrikant Riccardo Illy, früher Bürgermeister von Triest und heute Präsident der Region Friaul-Julisch-Venetien, durchaus positiv: "Unsicherheit stimuliert die Kreativität des Menschen." Und der designierte Intendant der Bregenzer Festspiele, David Pountney, ging noch weiter: "Lernen wir, die Unsicherheit zu lieben."

Viele Botschaften also, die da in der Runde weitergegeben wurden, viele Botschaften vor allem für jemanden, der sich aufgemacht hatte, ein Land neu zu formen. Kein Wunder, daß sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erfreut zeigte. Erstaunlich allerdings, daß Schüssel aus der Fülle von Anregungen vor allem auf Kunst und Wissenschaft einging, daß er meinte, die Politik könne vor allem von diesen Bereichen viel lernen. In Kunst und Wissenschaft habe die Skepsis, habe die Unsicherheit Methode, weshalb es besonders wichtig sei, auf Strömungen hier zu achten. "Die Politik muß lernen, mit der Nichtnormalität zu leben. Auch die Bürger müssen das tun." Dieses Lernen werde vor allem in Kunst und Wissenschaft vorgelebt.

Die Logik aus solchen Überlegungen wäre klar: Kunst und Wissenschaft müßten in Zeiten wie diesen besonders gefördert, müßten auch finanziell besonders berücksichtigt werden, um Fragen der Zukunft auch für die Gesellschaft abhandeln zu können. Man glaubt Wolfgang Schüssel dieses Anliegen. Die Botschaft hört man wohl. Das mit dem Glauben ist dann allerdings eine andere Sache. Denn nimmt man die Budgets der vergangenen und der kommenden Jahre als Maßstab, dann hat man nicht den Eindruck, daß unsere Politik auf Kunst und Wissenschaft als wesentliche Elemente für die Bewältigung der Zukunft setzt. Die Universitäten kämpfen, wenn man den Rektoren glauben kann, aufgrund verringerter Budgets ums Überleben. Die staatlichen Zuwendungen an die Kunst sind ebenso seit Jahren im Sinkflug, bestenfalls zwischendurch im Gleitflug. Wie also kann man die Erkenntnis des Bundeskanzlers teilen?

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Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen. Auf Wunsch des Autors erscheint sie in der alten Rechtschreibung.




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