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Kultur 

AUSSTELLUNGEN IN DER BODENSEEREGION

Alle Schachspieler sind Künstler

Kunstmuseum Vaduz widmet Sommerausstellung dem Phänomen Spiel.

ARIANE GRABHER

Vaduz (VN) Mit einer thematischen Schau, die den historischen Diskurs aufgreift und dessen Themenstränge in Verbindung setzt zur zeitgenössischen Kunst, bestreitet das Kunstmuseum Liechtenstein seine diesjährige Sommerausstellung. "Faites vos jeux!" ist ein äußerst vergnüglicher Ritt durch die Kunstgeschichte, der bei den Dadaisten einsetzt und das Phänomen des Spielerischen als wesentliches Prinzip in der Kunst formuliert. Damit leistet die Schau, die im Anschluss auch in Berlin und in Siegen zu sehen sein wird, Pionierarbeit. "Faites vos jeux!" stellt vor dem Hintergrund unserer viel diskutierten Spaßgesellschaft anhand von rund vierzig internationalen Positionen und über hundert Werken vier Generationen von Künstlern vor, die in den unterschiedlichsten Medien wahlweise als Kind gebliebener homo ludens, als Entdecker, als Bastler oder als ausgeklügelte Strategen auftreten.

Auch wenn der Titel Aufforderungscharakter hat, so gilt es diesen zu ignorieren. Auch der bloße Betrachter kommt auf seine Kosten.

Eingebettet in ein multimediales Bezugsfeld, ziehen sich verschiedene Motive durch die Schau, die vielfältige Andockungspunkte bieten: Bereits im Foyer kommt es mit der Fahnen-Installation von Roland Stratmann zu einem "gemischten Doppel" im Schach und auch bei Marcel Duchamp wird Schach zu einem Leitmotiv, wenn er betont: "Nicht alle Künstler sind Schachspieler, aber alle Schachspieler sind Künstler." In diesem konkurrierenden Spannungsfeld von Spiel und Ernst setzt auch Arnold Schönbergs "Koalitionsschach" (um 1920) an, während sich die amerikanische Künstlerin Cindy Sherman in unterschiedlichen Rollen und Verkleidungen darstellt. Fiktive Existenzen sind das Thema von Christian Boltanski und an der Schnittstelle von Realität und Fiktion setzt auch das Schweizer Künstlerduo Peter Fischli/David Weiss an.

Glückseligkeit

Dass Spiele nicht nur lustig sind, beweist das KZ-Lego des polnischen Künstlers Zbigniew Libera, wohingegen Takako Saito in einem vorübergehend geschlossenen Kaufladen Fluxus-Kunst in Selbstbedienung anbietet und die Schaukel von Carsten Höller nach einer Injektion mit Glückshormonen Seligkeit verspricht. Ein besonderes Gustostückerl bieten als historisches Fundament die kollektiven Arbeiten der Surrealisten um Max Ernst und René Magritte, ebenso wie auch die experimentellen Werke der Dada-Künstler Kurt Schwitters, Hugo Ball oder Hannah Höch.

Entgegen ihrer ursprünglichen Intention nun wie kostbare Kleinode in der Vitrine museal geborgen, offenbart sich in der Zusammenschau mit dem Zeitgenössischen eine Erkenntnis: Auch das Spielerische kommt nicht mehr so leicht und frei daher wie einst. Höher, schneller, lustiger scheint das Motto der teils raumgreifenden, mit großer Geste operierenden heutigen Werke, die ungleich aufwändiger, auch inhaltlich komplexer angelegt sind.

Die Ausstellung ist bis 23. Oktober geöffnet, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Donnerstag, 10 bis 20 Uhr.

Cindy Sherman bringt das Clowneske ein. (Foto:Museum)




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