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TIMES MAGER
Vorfreude
VON ELKE BUHR

Noch
107 Tage bis zur Fußball-Weltmeisterschaft: Das ist ein Zeitraum, den
kann man sich vorstellen, da kann man Schal und Schienbeinschützer
schon mal bereitlegen oder die entsprechenden Fluchtpläne in
fußballfreies Hinterland schmieden. Noch ein Jahr, vier Monate und 24
Tage bis zur documenta 12 - das ist dagegen keine
Information, die elektrisiert. Trotzdem scheint das Bedürfnis nach
mentaler Vorbereitung groß zu sein. Zumindest ist Roger M. Buergel, der
im Dezember 2003 zum künstlerischen Leiter der Kasseler documenta
2007 gewählt wurde, seit Monaten schwer damit beschäftigt, über seine
Pläne zu sprechen - ohne dabei etwas zu sagen. Denn nichts wäre den
Vorbereitungen für solch eine Großausstellung abträglicher, als eine
öffentliche Diskussion, bei der jeder seinen Senf dazu gibt.
Und
wer ihn mal dabei beobachtet hat, wird ihm zugestehen: Er macht das
gut. Buergel, gebürtiger Berliner, sozialisiert in Wien irgendwo
zwischen dem heißblütigen Aktionisten Hermann Nitsch und der coolen,
Foucault lesenden Avantgarde, präsentiert sich als der zurückhaltende
Intellektuelle, der lange reden kann über das Verhältnis zwischen
Theorie und ästhetischer Praxis; einer, der die Kunst global denkt und
lokal verankert; dabei repräsentiert er gleichzeitig souverän den Typus
des Neuen Mannes, er weiß seinen kleinen Sohn fachmännisch auf der
Hüfte zu tragen und setzt die mitkuratierende Ehefrau regelmäßig mit
auf's Podium.
So war es unter anderem Ruth Noack, die auf einer
Pressekonferenz, die gestern in Kassel stattfand, ein paar Häppchen an
die Meute verteilte: Maximal 100 Künstler sollen eingeladen werden,
etwas weniger noch als die 118 der documenta 11 also;
exemplarisch posierten schon mal der Brasilianer Ricardo Basbaum und
die Britin Imigy Stidworthy aus Großbritannien vor dem neuen Logo der
zwölften documenta. Die angekündigte Vernetzung mit der lokalen
Szene war durch Ayse Bülek vom Kasseler Kulturzentrum Schlachthof
gegeben. Verraten wurden noch der erste Künstler und der letze Künstler
in der geheimen, hoffentlich längst nicht fertigen Künstlerliste,
Ferran Adrià aus Barcelona und Artur Zmijewski aus Warschau. Von A bis
Z aufgeklärt, harren wir nun getrost des Ereignisses: erst mal WM, und
dann noch ungefähr ein Jahr.
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Copyright © Frankfurter Rundschau online 2006
Dokument erstellt am 21.02.2006 um 15:44:05 Uhr
Erscheinungsdatum 22.02.2006