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vom 22.06.2006 - Seite 015
Aus der Welt der Kunstsammler

Buntgemischt ist sie, die Welt der Kunstsammler. Sie setzt sich aus allen Schichten und Berufen zusammen. Ob Arzt oder Tankwart: Ihnen gemeinsam ist die Leidenschaft.

VON IRENE JUDMAYER

Wer in Österreich vom Kunstsammeln spricht, muss auch von Rudolf Leopold (81) sprechen. Die fast fanatische Kunstsammelwut des Mediziners gipfelt in einem eigenen Museumsbau im berühmten Wiener Museumsquartier.

Ausgebrochen ist Leopolds Kunst-Besessenheit im Jahr 1948, bei einem Besuch im Kunsthistorischen Museum vor den Werken von Breughel, Velazquez und Rembrandt. Seither sammle er, um ein Bild, das ihm gefällt, auch ständig griffbereit zu haben.

In der Nähe sein wollen

In diese Kerbe schlägt auch der Wiener Unternehmensberater Helmut Zambo: "Zwischen Sehen und Besitzen eines Bildes liegen Welten", sagte er in einem Interview: "Stellen Sie sich vor, Sie haben den Partner Ihrer Träume gefunden, und können ihn nur aus der Nähe anschauen...."

Beim Ferialjob als Tankwart hat sich Zambo mit sechzehn Jahren seinen ersten "Rainer" zusammengespart. Grundsteinlegung für eine Sammlung, die heute über 5000 Werke umfasst. Auch sein Top-Objekt der Begierde, nämlich Arnulf Rainer, ist laut Eigendefinition selbst begeisterter Sammler von "Patienten" (der Psychiatrie: Künstler von Gugging). "Da kann ich zum Jäger werden!", sagt Rainer im OÖN-Gespräch.

"Wenn sich andere Jugendliche eine Kinokarte gekauft haben, hab' ich mir überlegt, ob ich dafür nicht ein Bild kaufen kann!", erzählt Theologe, Philosoph, Kunstwissenschafter und emeritierter Hochschulprofessor Günter Rombold (81). Der Gründer des Kunstinstituts der Linzer Theologie-Uni übergab seine umfassende Sammlung vor vier Jahren dem oö. Landesmuseum.

Und ein eigenes Museum für brauchte auch BauMax-Unternehmer Karlheinz Essl, der die Sammlung mit seiner Frau aufgebaut hatte. Kennengelernt hatten sich die beiden in den USA, wo sie unabhängig voneinander von ihren Vätern zum Arbeiten hingeschickt worden waren.

Kunst simuliert Jugend

"Eine aufregende Zeit. Die Kunst der 50er und 60er rund um Polock, Rauschenberg und Roy Lichtenstein war noch Underground." Da habe die beiden das Sammelvirus erwischt, aus dem sich längst eine der größten Sammlungen zeitgenössischer Kunst entwickelt hat.

"Wir haben nur Sachen gekauft, die uns gefallen haben, ohne auf Wertsteigerung zu spekulieren!", antwortet der seit über dreißig Jahren aktive Linzer Sammler Gerald Fischer-Colbrie auf die Frage, nach seinen Kunstkauf-Kriterien. Fischer-Combrie unterstützt regelmäßig das Kunstmuseum Lentos mit Stiftungen.

Eine ähnliche Philosophie vertritt auch der Gründer des Wiener Auktionshauses im Kinsky, Anwalt Ernst Poil, für den die Auseinandersetzung mit Kunst Jugend simuliert: "Ich glaube, man sammelt nicht mit Ziel. Sammeln ist triebhaftes Handeln."

SAMMELN: Oft ist die Haushaltsversicherung überfordert

Kunstwerke zuhause sicher?

Falls Sie Kunstwerke bei sich zuhause haben, empfiehlt sich ein Sicherheits-Check. Es muss ja nicht gleich so etwas wie der erst vor wenigen Tagen in Brunnenthal/ Schärding erfolgte Millionen-Coup drohen. Das Problem der Unterversicherung ist wesentlich allgemeiner.

Ab 70.000 Euro Gesamtvolumen bietet sich jedenfalls eine Kunstversicherung an. Bis zu diesem Betrag decken Haushaltsversicherungen auch Kunstgegenstände ab, bieten aber längst nicht die Spezifika der Kunstversicherungen. Der diesbezügliche Marktführer ist Uniqa (war auch für die "Saliera" zuständig). Die Leiterin der Uniqa-Kunstabteilung, Petra Eibel: "In der Kunstversicherung werden alle Kunstwerke einzeln erfasst, deren Marktwert recherchiert und danach die Summe festgesetzt, die im Schadenswert nicht mehr strittig ist."

Anders als eine normale Haushaltsversicherung decke die Kunstversicherung sämtliche Risken ab. Naturkatastrophen und so alltägliche Dingen wie unsachgemäße Behandlung, etwa die Beschädigung durch spielende Kinder etc. Festgesetzt werden auch Wiederbeschaffungswerte: "Erleidet der Kunde einen Totalverlust, muss er auf dem Kunstmarkt ein gleichwertiges Objekt kaufen können." Die jährliche Prämie liegt zwischen 2 und 3,5 Prozent der Versicherungssumme.

So wie das Leben eben...

Der Sammler und sein "Liebling": Rudolf Leopold mit Schiele-Werk Foto:apa

Karlheinz Essl Foto: apa


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