Schwelgen im Schönen
Kunstmesse. Zum 34. Mal strotzt die Salzburger Residenz vor Kunst und Antiquitäten.
Hedwig Kainberger Salzburg (SN). Rechts vom Eingang in den Carabinierisaal grüßt eine „Grauweißfeldweltenblase“ von Gunter Damisch, die die Wiener Galerie Zetter in die Salzburger Residenz gebracht hat. Links blickt eine Tirolerin wunderbar schlicht und zugleich elegant, gemalt von Franz Defregger 1902. Sie ist Beispiel für das exquisite Angebot in der ersten Koje links vom Haupteingang, die Jahr für Jahr die Wiener Kunsthändler Giese & Schweiger bei der Kunst- und Antiquitätenmesse in der Salzburger Residenz bestücken.
Schaut man von der Tirolerin ums Eck, steht da – was macht den der da! – ein Johann Strauß in monumentalem Marmor. Nein, der sei nicht zu verkaufen; er habe diese Skulptur selbst soeben auf der Messe erstanden, erzählt Kunsthändler Herbert Giese und greift lachend vor Freude über diesen Coup zuerst sich selbst mit den Händen auf die Wangen, dann tätschelt er gleichermaßen das steinerne Gesicht des Walzerkönigs.
Obgleich Giese & Schweiger auf der 34. Kunst- und Antiquitätenmesse bei ihren Leisten der österreichischen Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts bleiben, fügt sich diese Skulptur des österreichischen Bildhauers Viktor Tilgner zu deren Angebot. „Was Makart in der Malerei ist, ist Tilgner in der Plastik im Historismus“, sagt Herbert Giese. Und siehe da! Rechts vom steinernen Johann Strauß hängt ein Gemälde Hans Makarts, diesfalls zum Verkauf.
Schräg gegenüber, bei Klaus und Elisabeth Thomann, sind Bilder von Siegfried Anzinger, Markus Prachensky und Hans Staudacher zu betrachten und zu kaufen. Daneben präsentiert Adil Besim exquisite Teppiche. An den insgesamt 40 Ständen in den Prunkräumen der Alten Residenz werden Ikonen, Schmuck, Möbel, alte bäuerliche Utensilien, Stiche, Gemälde und Skulpturen aus über fünf Jahrhunderten und heuer erstmals auch Fotografien aus den 20er- und 30er-Jahren (von der Wiener Galerie Faber, die heuer auf der Kunst- und Antiquitätenmesse debütiert) feilgeboten.
Man mag das als Kunstdschungel oder als eklektischen Spaziergang begreifen. So oder so: Es ist ein Schwelgen im Schönen, denn was bei dieser am Freitagabend eröffneten Messe bis Ostermontag geboten wird, sind Kunstwerke und Antiquitäten, die in den Kanon des „Meisterhaften“ aufgenommen sind. Ab 200 Euro – etwa für in Silberschälchen vom Salzburger Schmuck- und Silberhändler Pintar – kann man zum Käufer werden. Die malerischen Blue Chips sind zum Beispiel bei Salis & Vertes (etwa ein Damenporträt Oskar Kokoschkas von 1960 und von Emil Nolde in Ölfarbe gemalte Clematis von 1944). Wienerroither & Kohlbacher bieten Egon Schieles Ölbild „Mutter und Kind I“ von 1909/10 in Salzburg um 8,5 Millionen Euro an. Weitere Informationen über die Kunst- und Antiquitätenmesse in der Sonderbeilage Seiten 46 bis 48.




















