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Von Postkarten zu zeitgenössischer Kunst

07.05.2009 | 16:26 | Von Daniela Tomasovsky (DiePresse.com)

Sammlerpersönlichkeit. Rainer Mündnich, Sammler aus Frankfurt, über das Leben mit Kunst, seine Art zu sammeln, und warum er die Viennafair so charmant findet.

Angefangen hat die Begeisterung für moderne Kunst während des Chemiestudiums: Zunächst sammelte Rainer Mündnich Postkarten, dann Plakate, sobald er sein erstes Geld verdiente, kamen Originale hinzu. Mittlerweile umfasst der Sammlungsbestand rund 100 Arbeiten: Fotografien, Bilder, Skulpturen, Zeichnungen. „Ich hatte immer ein Faible für moderne Kunst und Fotografie“, sagt der Sammler aus Frankfurt, der heuer wieder auf der Viennafair  zu Gast sein wird. Die Wiener Messe ist für ihn ein Fixstern am internationalen Messehorizont. „Ich bin jedes Jahr auch in Berlin, Köln und Basel – aber die Viennafair unterscheidet sich von allen anderen Messen. Denn Edek Bartz, der künstlerische Leiter, legt den Schwerpunkt auf Galerien aus Mittel- und Osteuropa, und das ist für mich besonders interessant.“ Vergangenes Jahr erwarb Mündnich eine Arbeit der polnischen Künstlerin Anna Orlikowska, die am Stand der Program Gallery aus Warschau ausgestellt war. „Sie macht Fotografien, die sie von hinten beleuchtet.“ Aber auch Künstler aus Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich, England und den USA finden sich in seiner Sammlung.

Die übersichtliche Ausstellungsarchitektur ist laut Mündnich ein weiteres Plus der Viennafair. „Die Messe ist nicht so wahnsinnig groß, und die Stände sitzen nicht aufeinander. Durch die Glaswände kann sich das Auge immer wieder erholen. Bei der bildenden Kunst ist es ja nicht anders als in der Musik: Wenn man zu viel hört, wird man taub. Wenn man zwischendurch hinausschaut, wird man wieder aufnahmefähig.“

Mündnich kommt immer mit seiner Frau zur Viennafair – wenn ihr etwas überhaupt nicht gefällt, lässt er sich vom Kauf abbringen. Sonst entscheidet er aus dem Bauch heraus. „Ich lasse mich schon beraten. Das Wichtigste ist aber, dass einen die Bilder ansprechen.“ Umso mehr, als bei ihm die Bilder dann auch die Wohnräume zieren. Nach rein ästhetischen Kriterien wählt Mündnich aber nicht aus. „Das wäre zu wenig. Da könnte ich mir ja gleich eine Tapete an die Wand kleben.“ Sehr verstörende Werke – etwa Fotografien vom Irak-Krieg – würde er nicht kaufen. „Das ist Fotojournalismus, nicht Kunst.“ Räume ohne Kunst gibt es im Hause Mündnich nicht. „Von der Küche bis zur Toilette und zum Schlafzimmer – der Kunst entkommt man bei uns nicht.“ Da es nicht genug Wände gibt, werden die Bilder hin und wieder ausgewechselt. Besucher fragen oft, was es Neues gibt. „Manche sind dann aber enttäuscht, weil sie mit den Werken nichts anfangen können.“

Viele der Künstler, die Mündnich in seiner Sammlung hat, kennt er persönlich. „Nicht alle Sammler mögen das – sie wollen sich von der Persönlichkeit des Künstlers nicht beeinflussen lassen. Bei mir ist das anders. Wenn es sich ergibt, freue ich mich, mit ihnen über ihre Arbeit sprechen zu können. Bei Anna Orlikowska war das nicht möglich, weil sie in Polen lebt. Aber ihre Galerie hat mich zu Hause besucht und auch beraten.“ Achtet er beim Kunstkauf auch auf eine mögliche Wertsteigerung? „Darauf habe ich selten geschaut“, sagt Mündnich. „Wenn Sie mit Kunst spekulieren wollen, brauchen Sie Berater. Und die lagen in letzter Zeit schwer daneben. Die Wirtschaftskrise hat auch die Kunstspekulanten arg erwischt. Ich kaufe in der Regel junge Künstler – und da ist es sehr schwierig vorherzusehen, wie sie sich preislich entwickeln werden.“ Überhaupt verkauft er selten Kunstwerke. „Wenn, dann aus Platzgründen – oder weil sie nicht mehr in die Sammlung passen.“

Zu den US-Kunstmessen fährt Mündnich nicht. „Das ist mir zu aufwendig. Ich habe auch keine Millionen zur Verfügung. Die amerikanischen Sammler kaufen oft gleich zehn, 15 Arbeiten eines Künstlers. Für mich ist die Beschäftigung mit Kunst ein Hobby.“

Was er an der Viennafair besonders charmant findet, ist das Rahmenprogramm. „Das ist in Wien einmalig. Bei den anderen Messen kümmert man sich kaum um die Sammler.“ So gibt es etwa eine Spezialführung durch die Albertina (Besichtigung der habsburgischen Prunkräume sowie Führung durch die aktuelle Ausstellung „Das Zeitalter Rembrandts“), eine Führung durch die Ausstellung „Maria Lassnig – Das neunte Jahrzehnt“ im MUMOK, eine Führung durch die aktuelle Ausstellung „The Porn Identity – Expeditionen in die Dunkelzone“ in der Kunsthalle Wien, eine Busreise zur Art Brut in Gugging oder ins Essl Museum, eine Wien-Führung mit dem Historiker und Bestsellerautor Duncan Smith zum Thema „Nur in Wien. Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten“, ein Galerienfrühstück und natürlich eine Eröffnungs- und eine Abschlussparty.


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